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Morbus Alzheimer: Weiterer Rückschlag – BACE-Inhibitor scheitert

Dtsch Arztebl 2017; 114(9): A-423 / B-367
PHARMA
Meyer, Rüdiger

Der BACE-Inhibitor Verubecestat hat in der Phase-3-Studie EPOCH die kognitiven Leistungen von Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz nicht verbessern können. Nach einer Zwischenauswertung brach der US-Hersteller Merck (in Deutschland MSD) die Studie ab. Eine Parallelstudie an Patienten mit Prodromal-Symptomen der Demenz soll fortgesetzt werden.

BACE-Inhibitoren blockieren das Enzym Beta-Sekretase 1 (BACE1), das das Amyloid-Precursor-Protein (APP) verkürzt. Über ein Zwischenprodukt wird dann Beta-Amyloid gebildet. BACE-Inhibitoren verhindern dies und in tierexperimentellen Studien ließ sich dadurch die Entwicklung eines Morbus Alzheimer verhindern.

EPOCH sollte zeigen, dass die Behandlung auch bei Menschen wirksam ist, die bereits unter einer Demenz leiden. An der doppelblinden Phase-2/3-Studie sollten 2 221 Patienten teilnehmen, bei denen eine milde bis mittelschwere Alzheimer-Demenz diagnostiziert worden ist. Getestet wurden 12 mg und 40 mg gegenüber Plazebo. Primäre Endpunkte waren die Veränderung im ADAS-Cog-Score, der die kognitiven Fähigkeiten prüft, und im ADCS-ADL-Score zu den Aktivitäten des täglichen Lebens.

Der Abbruch der Studie ist ein weiterer Rückschlag für die Alzheimer-Forschung. Im Jahr 2012 scheiterte der Antikörper Bapineuzumab, der Beta-Amyloid binden und aus dem Gehirn eliminieren sollte. 2016 enttäuschte der Antikörper Solanezumab. Gescheitert ist auch der Antikörper Gantenerumab, die Studien mit Crenezumab (Roche) laufen weiter. Die meisten Hoffnungen ruhen jedoch auf den BACE1-Inhibitoren, die anders als Bapineuzumab und Solanezumab die Beta-Amyloide nicht entfernen, sondern ihre Produktion verhindern sollen. Neben Merck hat auch AstraZeneca einen BACE1-Inhibitor (AZD3293) in der klinischen Entwicklung. Der Antikörper Aducanumab von Biogen bindet dagegen wie Bapineuzumab und Solanezumab am Beta-Amyloid. rme