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Prüfung der Transplantationsprogramme: Wende ist eingetreten

Dtsch Arztebl 2016; 113(50): A-2310 / B-1899 / C-1875
THEMEN DER ZEIT
Richter-Kuhlmann, Eva

Der erste Prüfbericht für den Zeitraum ab 2013 zeigt: Der ganz überwiegende Teil der Transplantationszentren arbeitet richtlinienkonform und korrekt.

Seit der Novellierung des Transplantationsgesetzes im Jahr 2012 unternahmen die Zentren zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung des Transplantationssystems. Foto: Science Photo Library/Del Guercio, Michelle
Seit der Novellierung des Transplantationsgesetzes im Jahr 2012 unternahmen die Zentren zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung des Transplantationssystems. Foto: Science Photo Library/Del Guercio, Michelle

Die Gefahr systematischer Falschangaben bei Anträgen zur Transplantation ist zu großen Teilen gebannt“, betonte Anne-Gret Rinder, Vorsitzende der Prüfungskommission, bei der Präsentation des aktuellen Jahresberichts am 6. Dezember in Berlin. Die Prüfungskommission und die Überwachungskommission (PÜK) in gemeinsamer Trägerschaft von Bundes­ärzte­kammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband stellten erste Ergebnisse ihrer Kontrollen der Transplantationszentren in der neuen Prüfperiode 2013 bis 2015 vor – also aus der Zeit nach den 2012 erfolgten gesetzlichen Änderungen in der Transplantationsmedizin. Ihr Fazit: Bis auf eine Ausnahme arbeiteten die deutschen Transplantationszentren in den Jahren 2013 bis 2015 richtlinienkonform und korrekt. Die Patienten wurden überwiegend ordnungsgemäß bei Eurotransplant gemeldet. Die Prüfperiode soll 2018 zum Abschluss gebracht werden.

Im Prüfzeitraum 2015/2016 kontrollierte die PÜK 14 Transplantationsprogramme vor Ort und 17 Transplantationsprogramme im schriftlichen Verfahren. Dabei hätten sich im Bereich der Nierentransplantationen keine Anhaltspunkte für systematische Richtlinienverstöße oder Manipulationen ergeben. Es seien lediglich vereinzelte Dokumentationsfehler festgestellt worden. Auch bei den Pankreas- und kombinierten Nieren-Pankreas-Transplantationen sowie bei der Prüfung eines Herz- und eines Leber-Transplantationsprogramms hätten die Kommissionen keine Auffälligkeiten gefunden.

Manipulationen in Jena

„Hingegen wurden bei der Prüfung des Lungen-Transplantationsprogramms am Universitätsklinikum Jena systematische Richtlinienverstöße und Manipulationen festgestellt“, erklärte die Vorsitzende der Prüfungskommission. In diesem Zentrum wurden bei den Anträgen zur dringlichen Transplantation (HU-Anträge) gegenüber Eurotransplant erneut falsche Angaben gemacht, die die Patienten kränker erscheinen ließen, als sie tatsächlich waren. „Diese Angaben erfolgten überwiegend im Zusammenhang mit den zusätzlichen Sauerstoffgaben, die die Patienten benötigten“, erläuterte Rinder. Diese Verstöße hätten allerdings bereits im Sommer 2014 ihr Ende gefunden, so dass die Kommissionen davon ausgingen, dass in Zukunft korrekt gearbeitet werde.

Systematische Manipulationen und Auffälligkeiten stellten die Kommissionen zudem bei zwei noch ausstehenden Prüfungen von Lungen-Transplantationsprogrammen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und am Universitätsklinikum Leipzig für den Zeitraum 2010 bis 2012 fest.

Für die aktuelle Prüfperiode (2013 bis 2015), die den Zeitraum nach den gesetzlichen Änderungen betrachtet, verwies Prof. Dr. med. Hans Lippert, Vorsitzender der Überwachungskommission, jedoch auf die positive Bilanz: Die Prüfungen ließen erkennen, dass ein Umdenken in den meisten Transplantationszentren eingesetzt hätte. Dieser Prozess müsse konstruktiv genutzt werden, um noch verbliebene Struktur-, Qualifikations- und Qualitätssicherungsdefizite zu beheben.

Bedeutsam seien die aktuellen Prüfergebnisse auch für die Richtlinienarbeit der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundes­ärzte­kammer. Beispielsweise sei bei den Prüfungen der Lungen-Transplantationsprogramme ein Novellierungsbedarf der geltenden Richtlinie aufgefallen, berichtete Prof. Dr. jur. Hans Lilie, Vorsitzender der Kommission. Die Kommission überarbeite zudem alle Richtlinien zur Transplantation nach §16 Transplantationsgesetz, Der Prozess soll Ende 2017 abgeschlossen sein.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann