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Notfallversorgung: Finanzierungslücke viel geringer

Dtsch Arztebl 2016; 113(49): A-2235 / B-1847 / C-1823
POLITIK
Beerheide, Rebecca

Vor der entscheidenden Verhandlung zwischen Ärzten, Kassen und Krankenhäusern über neue Finanzierungsstrukturen im Notdienst hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung ein neues Gutachten vorgelegt.

Foto: picture alliance
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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht die Finanzierungsdefizite in der ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus deutlich geringer, als es Analysen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zuvor gezeigt hatten. Im Vorfeld zu den Verhandlungen im Bewertungsausschuss zur Vergütungsstruktur im ambulanten Notdienst am 7. Dezember hat die KBV ein dementsprechendes Gutachten vorgestellt.

Für einen ambulanten Notfall erhalten Kliniken wie niedergelassene Ärzte nach EBM derzeit 32 Euro. Damit sei die Versorgung im Krankenhaus nicht ausreichend finanziert, argumentiert die DKG. Sie fordert für jeden Fall 120 Euro und hat insgesamt ein Defizit bei Notfallaufnahmen von einer Milliarde Euro errechnet. Laut der Studie der KBV erhalten Krankenhäuser allerdings bereits jetzt zwischen 70,60 Euro und 93 Euro je Fall.

Die Zahlen der KBV gehen zurück auf ein Gutachten, dass das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) gemeinsam mit Gesundheitsökonom Prof. Dr. rer. pol. Günter Neubauer aus München erstellt hat. Die Zahlen der DKG stammen aus einem Gutachten, das gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) im Frühjahr 2015 errechnet wurde.

In seiner Analyse betonte der Gesundheitsökonom, dass für die Krankenhäuser, die an der Notfallversorgung teilnehmen, bereits zwischen 33,60 Euro und 51 Euro in den diagnosebezogenen Fallgruppen (DRG) eingerechnet sind. Außerdem gebe es einen expliziten Zuschlag auf die DRG-Fallpauschalen zwischen fünf und zehn Euro für ambulante Notfälle. Rechne man nun die 32 Euro hinzu, die von den KVen (laut EBM) für die ambulante Notfallversorgung gezahlt werden, erreiche man insgesamt einen Wert zwischen 70,60 Euro und 93 Euro.

„Nach unseren Berechnungen sind die DKG-Forderungen von einer Milliarde Euro nicht haltbar. Wir gehen von einem Kostenbedarf von 600 bis 791 Millionen Euro aus.“ Grundlage für Neubauers Rechnung ist die Zahl von 8,5 Millionen ambulanten Patienten pro Jahr in der Notfallaufnahme.

Für Neubauer ist es eindeutig, dass Krankenhäuser die Notfallaufnahmen für ihr wirtschaftliches Ergebnis dringend brauchen. „Das Krankenhaus, das die Notfallversorgung schließt, ist bald selbst geschlossen.“ Außerdem würden Kliniken mit einer Notfallversorgung unabhängiger von niedergelassenen Ärzten als Zuweiser.

Mit Blick auf die Verhandlungen im Bewertungsausschuss am 7. Dezember erkennt die KBV in den Daten eine klare Aussage: „Nur weil einige Kliniken unwirtschaftlich arbeiten, müssen sie nicht mehr verlangen,“ so Gassen. „Unsere Vorschläge liegen auf dem Tisch. Nun liegt der Ball im Feld der DKG.“

Evaluation der Vergütung bei Notfällen in zwei Jahren

Die KBV will sich dafür einsetzen, dass Patienten im Krankenhaus bereits von Niedergelassenen oder Klinikärzten begutachtet werden und dann über eine ambulante oder stationäre Weiterbehandlung entschieden wird. Allerdings sei es nicht sinnvoll, nun an jeder Klinik eine Portalpraxis einzurichten. Das Ergebnis der Sitzung im Bewertungsausschuss lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Laut dem Krankenhausstrukturgesetz sollen die vereinbarten Vergütungen nach zwei Jahren evaluiert werden.

Rebecca Beerheide

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