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Stationäre Qualitätssicherung: IQTiG will Verfahren verschlanken

Dtsch Arztebl 2016; 113(40): A-1735 / B-1465 / C-1457
POLITIK
Osterloh, Falk

Erstmals hat in diesem Jahr das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen den Qualitätsreport zur externen stationären Qualitätssicherung erstellt. Zugleich arbeitet das Institut daran, unnötige Arbeitsschritte zu reduzieren.

In der hüftgelenknahen Femurfraktur (oben) erfüllten teils weniger Krankenhäuser die 
vorgegebenen Qualitätsindikatoren; bei der ambulant erworbenen Pneumologie 
hingegen verbesserten sich die Ergebnisse. Foto: iStockphoto ibrary / Springer Medizin
In der hüftgelenknahen Femurfraktur (oben) erfüllten teils weniger Krankenhäuser die vorgegebenen Qualitätsindikatoren; bei der ambulant erworbenen Pneumologie hingegen verbesserten sich die Ergebnisse. Foto: iStockphoto ibrary / Springer Medizin
Foto: Science Photo L
Foto: Science Photo L

Die externe stationäre Qualitätssicherung ist eine Wissenschaft für sich. Im Erfassungsjahr 2015 haben bundesweit 1 538 Krankenhäuser an insgesamt 1 834 Standorten etwa 3,2 Millionen Datensätze übermittelt. Im Vergleich zu 2014 hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) dabei sowohl die Zahl der Leistungsbereiche reduziert (von 30 auf 25) als auch die Zahl der Qualitätsindikatoren, zu denen die Daten erfasst werden (von 416 auf 351). Einmal im Jahr werden die Auswertungen dieser Daten in einem Qualitätsreport veröffentlicht – in diesem Jahr hat das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) diese Aufgabe vom Göttinger AQUA-Institut übernommen.

Je nach Leistungsbereich fallen die Ergebnisse unterschiedlich aus. Im Bereich der ambulant erworbenen Pneumonie beispielsweise haben sich bei den verwendeten zwölf Qualitätsindikatoren acht Ergebnisse signifikant verbessert. Erstmals lagen damit alle Bundesergebnisse innerhalb des zuvor definierten Referenzbereiches. Bei 95,72 Prozent der behandelten Patienten wurde zum Beispiel die Atemfrequenz bei der Aufnahme bestimmt. Im Vorjahr war dies bei 94,84 Prozent geschehen.

„Möglichst wenig Aufwand“

Bei der hüftgelenknahen Femurfraktur mit osteosynthetischer Versorgung hingegen fielen die Ergebnisse teils schlechter aus als im Vorjahr. So stiegen, zum Teil leicht, sowohl die Rate der kardiovaskulären Komplikationen, die Rate der allgemeinen postoperativen Komplikationen als auch die Rate der Sterblichkeit im Krankenhaus an. Zudem zeigten sich bei den hüftgelenknahen Femurfrakturen Qualitätsmängel hinsichtlich der Einhaltung einer kurzen präoperativen Verweildauer, wie es im Qualitätsreport heißt.

Während das IQTiG erstmals routinemäßig den Report erstellt hat, arbeitet das Institut zugleich daran, die externe stationäre Qualitätssicherung in Zukunft zu verschlanken. „Wir müssen uns überlegen, wie die Ziele, die wir erreichen wollen, mit möglichst wenig Aufwand erreicht werden können“, sagte der Leiter des IQTiG, Dr. med. Christof Veit, Ende September auf der 8. Qualitätssicherungskonferenz des G-BA in Berlin. Unter anderem möchte Veit den Strukturierten Dialog verschlanken. Dieser Dialog wird entweder vom IQTiG selbst oder von den Landesgeschäftsstellen Qualitätssicherung eingeleitet, wenn die Daten, die die Krankenhäuser zu den verwendeten Qualitätsindikatoren liefern, vom jeweiligen Referenzwert abweichen. Dabei erhalten die Krankenhäuser zusätzlich zur Rückspiegelung ihrer Daten einen sogenannten Hinweis. Oder sie werden gebeten, die Abweichung in Form einer Stellungnahme zu erklären.

„Mein Vorschlag ist: keine Hinweise mehr“, sagte Veit. Denn die Krankenhäuser erhielten die Auswertung ihrer Daten ohnehin, in der der auffallende Wert enthalten sei. Zudem schlug der IQTiG-Leiter vor, es den Krankenhäusern zu überlassen, ob sie eine Stellungnahme anfertigen oder nicht: „Stellungnahmen sollten freiwillig sein. Wenn sie angefertigt werden, müssen sie aber aussagekräftig sein.“

Schließlich schlug Veit vor, die Dokumentationspflicht nur in den Krankenhäusern aufrechtzuerhalten, die die Qualitätsindikatoren noch nicht routinemäßig erfüllen. „Zunächst gibt es eine Dokumentationspflicht für alle“, erklärte er. „Wer die Erfüllung der Indikatoren in den Routineablauf übernommen hat, muss sie dann nicht mehr dokumentieren.“ Bei der Datenvalidierung müssten die Krankenhäuser dann aber nachweisen, dass sie den Qualitätsindikator tatsächlich umgesetzt haben.

Bereits im Juli hatte der G-BA auf Initiative des IQTiG 214 Datenfelder, die zuvor im Rahmen der externen stationären Qualitätssicherung ausgefüllt werden mussten, gestrichen. Dadurch werde die Dokumentation für das Erfassungsjahr 2017 um zehn Prozent reduziert, hatte das IQTiG erklärt.

Falk Osterloh