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GOÄ-Ratgeber: Abrechnung einer Erythrozytenvorbehandlung mit Dithiothreitol (DTT)

Dtsch Arztebl 2019; 116(48): A-2258 / B-1850 / C-1798

Gorlas, Stefan

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Ein Universitätsklinikum fragt bei der zuständigen Lan­des­ärz­te­kam­mer nach der Abrechnung einer Vorbehandlung von Test- bzw. Spendererythrozyten mit Dithiothreitol (DTT).

Humane monoklonale Antikörper gegen das CD38-Antigen, wie zum Beispiel Daratumumab, werden zur Therapie des multiplen Myeloms eingesetzt.

Das CD38-Glycoprotein findet sich auf der Oberfläche von Lymphozyten, Monozyten und Plasmazellen, aber auch schwach ausgeprägt auf der Oberfläche von Erythrozyten. Der monoklonale Antikörper Daratumumab reagiert daher auch gegen das CD38-Antigen auf den Erythrozyten im Rahmen der prätransfusionellen Untersuchungen (Antikörpersuchtests und serologische Verträglichkeitsprobe) und führt zu einem positiven indirekten Coombs-Test, wodurch mögliche parallel bestehende, für die anstehende Transfusion gravierende Antikörperreaktionen maskiert werden können.

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Durch die Vorbehandlung der Test- bzw. Spendererythrozyten mit DTT wird das CD38-Antigen auf den Erythrozyten zerstört und die daratumumabinduzierte positive Reaktion im indirekten Coombs-Test beseitigt.

Die Vorbehandlung mit DTT ist allerdings recht aufwendig. Im vertragsärztlichen Bereich ist für die entsprechende Zuschlagsposition (Nr. 32557 EBM) ein Betrag von 19,20 Euro je Untersuchung vorgesehen, wobei diese Position am Behandlungstag höchstens viermal berechnungsfähig ist.

Bei einer Abrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) kann die Erythrozytenvorbehandlung mit DTT über einen Ansatz der Nr. 3999 GOÄ („Antikörper-Elution, Antikörper-Absorption, Untersuchung auf biphasische Kältehämolysine, Säure-Serum-Test oder ähnlich aufwendige Untersuchungen, je Untersuchung“) berechnet werden, entsprechend einem Betrag von 24,13 Euro bei 1,15-fachem Steigerungssatz.

Die Nr. 3999 GOÄ ist für die Leistung der DTT-Vorbehandlung bzw. der Antikörperelution berechnungsfähig. Zuvor mit der gleichen Patientenprobe bereits durchgeführte blutgruppenserologische Untersuchungen sind hiervon unabhängig berechnungsfähig. Das Gleiche gilt für blutgruppenserologische Untersuchungen des Eluates und/oder der Zelloberfläche nach erfolgter Elution.

Aufgrund der Anmerkung zur Leistungslegende der Nr. 3999 GOÄ – „Die Art der Untersuchung ist in der Rechnung anzugeben“ – muss die Vorbehandlung mit DTT zu Ausschluss einer Interferenz mit Daratumumab bei Blutkompatibilitätstests in der Rechnung aufgeführt werden. Dr. med. Stefan Gorlas

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