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Flüchtlingswelle: Uganda benötigt Hilfe

Donnerstag, 17. August 2017
Neu angekommene südsudanesische Flüchtlinge stehen im Imvepi-Auffangzentrum (Nord-Uganda) um Essen an. /dpa

Genf/Kampala – Der blutige Konflikt im Südsudan hat inzwischen mehr als eine Million Flüchtlinge nach Uganda getrieben. Das Nachbarland brauche dringend mehr Unterstützung, um den Geflüchteten beizustehen, verlangte das UN-Flüchtlings­hilfs­werk (UNHCR) heute in Genf. Eine weitere Million Menschen seien aus dem Südsudan in den Sudan, nach Äthiopien, Kenia, Kongo und in die Zentralafrikanische Republik geflohen. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel war jüngst in Uganda und im Südsudan und hatte sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht.

Besonders prekär sei die Lage in Uganda, wo zu mehr als 85 Prozent Frauen mit Kin­dern und Jugendliche unter 18 Jahren ankämen, so das UNHCR. Die Menschen berich­teten von barbarischem Verhalten der verschiedenen bewaffneten Gruppen in ihrem Heimatland: Zivilisten würden vor den Augen ihrer Angehörigen getötet, Frauen und Mädchen vergewaltigt und Jungen entführt und zum Waffendienst gezwungen.

Mehr als 1,3 Millionen Geflüchtete

Uganda, das mehr als 1,3 Millionen Geflüchtete unter anderem aus dem Südsudan, dem Kongo und Burundi aufgenommen hat, gilt als Musterbeispiel in der Flüchtlings­hilfe. Die Menschen werden nicht in Flüchtlingslagern, sondern eigenen Siedlungen untergebracht, wo sie inmitten der lokalen Bevölkerung leben. Zudem bekommen sie Land zur Bewirtschaftung, können sich frei bewegen und dürfen arbeiten. Allerdings steigt mit der wachsenden Flüchtlingszahl auch die Belastung für das Land.

Trotz Arbeitsgenehmigung haben nur wenige Flüchtlinge einen bezahlten Job, wie eine Analyse der Organisation World Vision zeigt. Demnach sind 58 Prozent der Befragten in zwei Flüchtlingssiedlungen im Nordwesten Ugandas ganz von Nahrungsmittelhilfe abhängig. Ein Mangel an Lebensmitteln in der Region treibe auch die Preise in die Höhe, wovon Flüchtlinge und Einheimische gleichermaßen betroffen seien.

Zudem ist demnach die Mehrheit der jugendlichen Flüchtlinge arbeitslos und hat nur einen Grundschulabschluss. Sie würden auch unter den psychischen Belastungen ihrer Erfahrungen im Südsudan und auf der Flucht leiden. Man müsse sicherstellen, „dass geflüchtete Kinder besonders geschützt werden und sich, wenn sie hier ankommen, schnell in die Gesellschaft integrieren können“, sagt Enid Kabasinguzi Ocaya von World Vision.

Um die vielen Flüchtlinge aus dem Südsudan aufzunehmen, sind nach Angaben des UNHCR in diesem Jahr allein in Uganda 674 Millionen Dollar (gut 570 Millionen Euro) nötig. Bislang sei aber erst ein Fünftel davon eingegangen. Im Juni hätten die Essens­rationen für Flüchtlinge gekürzt werden müssen. Es gebe nicht genügend medizini­sches Personal und in den Schulen müssten Lehrerinnen teils Klassen von 200 Schü­lern unterrichten.

Im Südsudan war 2013 ein Bürgerkrieg zwischen Anhängern von Präsident Salva Kiir und den Unterstützern seines ehemaligen Stellvertreters Riek Machar ausgebrochen. Der Konflikt hat rund vier Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Rund sechs Millionen Südsudanesen haben nicht genug zu essen – etwa die Hälfte der Bevölke­rung.

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