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Methadon in der Krebstherapie: Wenige Onkologen berichten über positive Wirkung

Dienstag, 22. August 2017

Berlin – Krebspatienten erkundigen sich in den letzten Monaten sehr oft bei ihren Onkologen nach der Möglichkeit einer Therapie mit Methadon. Verschrieben wird das Schmerzmedikament meist aber nicht vom Onkologen, sondern von einem anderen Arzt. Das ergab eine Online-Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) unter ihren Mitgliedern. Es stellte sich dabei auch heraus, dass weit mehr Onkologen Nebenwirkungen bei ihren Patienten beobachten als dass sie über eine positive Wirkung auf den Tumor berichten können.

Im April dieses Jahres hat die ARD über den Einsatz von Methadon als Wirkverstärker einer Chemotherapie in der Krebstherapie berichtet. Dieser und nachfolgende Beiträge in unterschiedlichen Medien haben zu hohen Erwartungen bei Krebspatienten und ihren Angehörigen geführt. 

Methadon in der Onkologie: „Strohhalmfunktion“ ohne Evidenz

Methadon wird derzeit als nebenwirkungsarmes Heilmittel gegen Krebs angepriesen. Die evidenzbasierte Medizin scheint machtlos zu sein. Eine kritische Auseinandersetzung. Seit wenigen Wochen ist Methadon das Thema in onkologischen Sprechstunden, Ambulanzen, Praxen und bei vielen Visiten. In den Medien als nebenwirkungsarmes Heilmittel gegen Krebs angepriesen, erfährt das Medikament in den

In der Zeit vom 27. Juli bis zum 4. August 2017 haben 473 von etwa 2.500 DGHO-Mitgliedern einen Fragebogen der Fachgesellschaft zu ihren Erfahrungen mit Metha­don in der Krebstherapie ausgefüllt. 83 Prozent der onkologisch tätigen Ärzte aus Praxen und Krankenhäusern gaben an, von ihren Patienten in letzter Zeit „oft“ oder „sehr oft“ auf die Möglichkeit einer Methadontherapie angesprochen worden zu sein. Zwei Prozent der Onkologen berichteten von Krankheitsverläufen, in denen eine direkte oder zusätzliche Wirkung von Methadon auf den Tumor plausibel schien.

Dagegen gaben 20 Prozent der Befragten an, im Zusammenhang mit der Einnahme von Methadon unerwartete oder ausgeprägte Nebenwirkungen beobachtet zu haben. Detaillierte Einzelfallbeschreiben konnten auf diesem Weg aufgrund der Schweige­pflicht und datenschutzrechtlicher Gründe nicht erhoben werden.

Sehr wenige Onkologen verschrieben Methadon selbst. Häufiger betreuten sie Patien­ten, denen Methadon von anderen Ärzten rezeptiert wurde. Eine besondere Rolle spielten die mit Methadon verbundenen Erwartungen. 77 Prozent der Befragten erlebten Gespräche über Methadon als kompliziert, 86 Prozent als emotional. 81 Pro­zent berichteten von Enttäuschungen im Gespräch seitens der Patienten.

Eine kurzfristige Option ist die Durchführung einer Bestfall-Analyse anhand der vorliegenden Dokumentationen. Ulrich Schuler, Direktor des Universitäts PalliativCentrum, Universitätsklinikum Dresden


Die Umfrage belegt das große, von vielen in der Onkologie Tätigen subjektiv erlebte Interesse an Methadon. Die Fachgesellschaft hält an ihrer Stellungnahme vom 26. April 2017 fest, dass aufgrund der fehlenden Evidenz eine unkritische und undifferenzierte Off-Label-Anwendung von D,L-Methadon im Rahmen der Krebstherapie nicht gerecht­fertigt sei.

Ulrich Schuler, Direktor des Universitäts-Palliativ-Centrums des Universitäts­klinikums Dresden und Leiter des DGHO-Arbeitskreises Palliativmedizin fordert, dass die derzeit zur Verfügung stehenden Daten in kontrollierten Studien überprüft werden müssten: „Idealerweise in einer randomisierten Studie, alternativ in einer Fall-Kontroll-Studie. Eine kurzfristige Option ist die Durchführung einer Bestfall-Analyse anhand der vorliegenden Dokumentationen.“

Eine Sammlung von Best- und Worst-Case-Series forderte erst kürzlich auch Jutta Hübner von der Klinik für Innere Medizin in Jena im Deutschen Ärzteblatt. Eine Phase I/II-Studie wurde ebenfalls bereits bei der Deutschen Krebshilfe beantragt, aber noch nicht bewilligt.

© gie/EB/aerzteblatt.de
Kommentare
Allgäu Wanderer am Montag, 9. Oktober 2017, 17:38
Guter differenzierter Beitrag auf Youtube...nicht nur unkritische Reflexion
Hallo, zurecht wird vom DÄ die Einseitigkeit bei der Berichterstattung betont, insbesondere auf Social Media Kanälen wie Facebook oder YouTube. Bei meiner Suche bin ich aber auch auf dieses Video von Dr. Weigl gestoßen: https://youtu.be/rO7WhJ_GRFI
Meines Erachtens ist es sehr gut differenziert und betont auch die mediale Einseitigkeit außerdem greift er einige Aspekte aus dem DÄ auf und "bereitet" diese für den "normalen" Patienten auf. Das finde ich gut.
Mit freundlichen Grüßen
GH