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EGPA: Asthmamittel Mepolizumab bei seltener Vaskulitis häufig gut wirksam

Freitag, 19. Mai 2017

Denver – Der monoklonale Antikörper Mepolizumab, der den Botenstoff Interleukin 5 bindet, der für die Entwicklung, Differenzierung  Aktivierung und für das Überleben von eosinophilen Granulozyten  von zentraler Bedeutung ist, hat in einer Phase 3-Studie im New England Journal of Medicine (2017; 376: 1921-1932) die Krank­heits­aktivität von Patienten mit eosinophiler Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA), früher auch als Churg-Strauss-Vaskulitis bezeichnet, deutlich vermindert. 

Bei der EGPA – mit 1 bis 2 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland eine seltene Erkrankung – kommt es auf dem Boden einer langjährigen Asthmaerkrankung zu einer starken Zunahme der eosinophilen Granulozyten im Blut. Diese Abwehrzellen bilden Granulome in den Blutgefäßen. Durch die Freisetzung von toxischen Proteinen kommt es zu einer Entzündung und zur Schädigung der betroffenen Organe, zu denen neben Lunge und Nasennebenhöhlen auch Herz, peripheres Nervensystem, Niere, Lymph­knoten, Muskeln und Haut gehören können.

Viele Patienten benötigen dauerhaft hochdosierte orale Steroide, oft in Kombination mit anderen Immunsuppressiva, was durch ihre Nebenwirkungen zunehmend die Gesundheit belastet. Hinzu kommt, dass die Steroide nicht bei allen Patienten wirken und Exazerbationen der Erkrankung häufig sind. Die zentrale Bedeutung der eosinophilen Granulozyten für die Pathogenese legt den Einsatz des monoklonalen Antikörpers Mepolizumab nahe, der im letzten Jahr zur Behandlung des therapie­refraktären Asthma bronchiale zugelassen wurde.

Das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) hat deshalb zusammen mit dem Hersteller eine Phase 3-Studie organisiert, an der in 31 Zentren in neun Ländern (mit deutscher Beteiligung) 136 Patienten mit rezidivierender beziehungsweise refraktärer EGPA teilnahmen. Alle Patienten waren zuvor mit oralen Steroiden und teilweise auch mit Immunsuppressiva in einer stabilen Dosierung behandelt worden.

Die Patienten erhielten im Rahmen der 52-wöchigen Studienphase zusätzlich zur früheren Therapie alle vier Wochen eine subkutane Injektion mit 300 mg Mepolizumab oder Placebo. Ein primärer Endpunkt war die Anzahl der Wochen, in denen sich die Patienten in Remission befanden. Eine Remission war definiert als eine Symptom­kontrolle (Birmingham Vasculitis Activity Score 0) unter einer Tagesdosis von maximal 4,0 Gramm Prednisolon oder Prednison. 

Wie Michael Wechsler von National Jewish Health in Denver und Mitarbeiter berichten, waren in der Mepolizumab-Gruppe 28 Prozent der Patienten über mindestens 24 Wochen in Remission gegenüber nur 3 Prozent der Teilnehmer der Placebo-Gruppe. Der Vorteil war mit einer Odds Ratio von 5,91 und einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 2,68 bis 13,03 hoch signifikant. Die Wirksamkeit stieg im Verlauf der Behandlung noch weiter an, denn in den Wochen 36 und 48 waren 32 Prozent der Patienten in Remission gegenüber 3 Prozent in der Placebo-Gruppe (Odds Ratio, 16,74; 3,61 bis 77,56). 

Nach einer Remission kam es auch seltener zu Rückfällen. Die jährliche Rezidivrate betrug in der Mepolizumab-Gruppe 1,14 verglichen mit 2,27 in der Placebo-Gruppe (Odds Ratio 0,50; 0,36-0,70). Insgesamt 44 Prozent der Teilnehmer der Mepolizumab-Gruppe kamen in den Wochen 48 bis 52 im Durchschnitt mit 4,0 mg oder weniger Prednisolon oder Prednison aus gegenüber nur 7 Prozent in der Placebo-Gruppe (Odds Ratio 0,20; 0,09-0,41).

Trotz dieser Erfolge erreichten jedoch 47 Prozent der Patienten unter der Mepo­lizu­mab-Behandlung zu keinem Zeitpunkt eine Remission (gegenüber 81 Prozent in der Placebo-Gruppe). Der Grund für das häufige Versagen der Therapie ist unklar. Wechsler vermutet, dass neben der Eosinophilie auch andere Faktoren in der Pathogenese eine Rolle spielen (die genaue Ursache der Erkrankung ist nicht bekannt) oder dass die Veränderungen bei einigen Patienten bereits zu weit fortgeschritten ist um durch die Hemmung der eosinophilen Granulozyten noch eine Wirkung zu erzielen. Das NIAID lässt derzeit in einer weiteren Studie prüfen, welche Faktoren für den Erfolg oder Misserfolg verantwortlich sein könnten.

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