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WHO: Risiko für größere Ebola-Epidemie im Kongo ist hoch

Donnerstag, 18. Mai 2017
/Gino Santa Maria, stock.adobe.com

Genf – Der neueste Ebola-Ausbruch im Kongo stellt nach Angaben der Weltge­sundheits­organi­sation (WHO) auf Landesebene ein hohes Risiko dar. „Derzeit kennen wir das volle Ausmaß des Ausbruchs noch nicht“, sagte der Leiter des WHO-Nothilfeprogramms, Peter Salama, heute. Zwar habe der Kongo Erfahrung mit dem Eindämmen von Ebola-Ausbrüchen, man dürfe aber nicht die Herausforderungen in dem sehr entlegenen und unsicheren Teil des Landes unterschätzen.

Bislang gibt es in der nordöstlichen Provinz Bas-Uélé zwei durch Labortestes bestätigte Ebola­fälle, bei 18 weiteren Fällen besteht der Verdacht. Drei Todesfälle wurden offiziell erfasst. Erste Priorität habe derzeit, die mehr als 400 Menschen ausfindig zu machen und zu beobachten, die mit den Betroffenen in Kontakt waren, sagte Salama. Ein Ebola-Behandlungszentrum sei in der Region bereits eingerichtet worden, ein weiteres mobiles Zentrum werde bald folgen.

Globales Risiko gilt derzeit als gering

Für die Region einschließlich der umliegenden Länder werde das Risiko einer Ebola-Epidemie derzeit als moderat eingeschätzt, auf globaler Ebene als gering, sagte Salama weiter. Das Ebolavirus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Bei der bislang größten Ebola-Epidemie 2014 bis 2015 starben in den westafrikanischen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone mehr als 11.000 Menschen, mehr als 28.000 infizierten sich.

Im Kongo kommt es immer wieder zu kleineren Ausbrüchen – bei der letzten im Herbst 2014 erlagen der Krankheit der WHO zufolge 35 Menschen. Das Virus, das zuerst am Ebola-Fluss im Kongo auftauchte, lässt sich im Blut, Urin und Rachensekret nachweisen. Bislang gibt es kein Heilmittel für Ebola. Ein Impfstoff wird derzeit noch getestet.

Malteser International wies darauf hin, dass es in diesem Stadium „sehr wichtig“ sei, dass sich die Epidemie nicht weiter ausbreitet und noch mehr Menschenleben kostet, erklärte der Leiter der Afrika-Abteilung, Roland Hansen, heute. Schnelle internationale Hilfe sei schwierig, so die Malteser weiter.

In der betroffenen Provinz im Nordosten des Kongo arbeiteten nur wenige Hilfsorga­nisationen. Die Malteser verteilen nun nach eigenen Angaben eine Schutzausrüstung an das Personal von Gesundheitseinrichtungen. Außerdem schulen sie Klinikmitar­beiter und die Bevölkerung darin, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen und die Patienten korrekt und sicher zu behandeln.

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