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Kanada will kleine Mengen Cannabis erlauben

Dienstag, 18. April 2017
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Ottawa – Kanada will den Konsum von Haschisch auch zum Genuss erlauben. Zugleich soll der Verkauf oder die Weitergabe des Rauschgifts an Jugendliche schärfer be­straft werden als bisher. Die kana­di­­sche Regierung legte jetzt einen entsprechenden Gesetzentwurf über die Legalisierung von Cannabis vor. Die medizinische Nutzung von Cannabis ist in Kanada bereits seit 2001 erlaubt. Die Regierung von Premierminister Justin Trudeau strebt an, dass die neue Regelung im kommenden Jahr in Kraft tritt.

„Wir wissen, dass das Verbot gescheitert ist“, sagte der Abgeordnete und frühere Poli­zei­chef Bill Blair vor Journalisten. Die Legalisierung solle den Zugang zu Cannabis regulie­ren und begrenzen und Kanada sicherer machen. Der Gesetzentwurf sieht klare Be­schrän­kungen vor. Verstöße sollen streng geahndet werden, wie der Minister für öffent­liche Sicherheit, Ralph Goodale, ankündigte. Goodale betonte, die bestehenden Geset­ze hätten „erbärmlich dabei versagt“, die öffentliche Gesundheit und Sicherheit zu schüt­zen, Minderjährige von Cannabis fernzuhalten und die Geschäfte der organisierten Kri­mi­nali­tät zu unterbinden.

30 Gramm erlaubt

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass das Aufziehen von vier Cannabispflanzen für den Ei­genbedarf erlaubt ist. Außerdem dürfen Bürger bis zu 30 Gramm der Droge besitzen. Der Zugang zu Cannabis soll aber erst ab 18 Jahren erlaubt sein. Der Handel mit Canna­bis außerhalb der strengen Richtlinien, der Verkauf der Droge an Jugendliche und das Autofahren unter dem Einfluss von Cannabis bleiben verboten.

Das Gesetz lehnt sich eng an die Empfehlungen einer Expertenkommission an, die ihre Ergebnisse im Dezember vorgelegt hatte. Die Mehrheit der Kanadier unterstützt die Le­ga­lisierung von Cannabis. Dennoch dürften die Pläne in den kommenden Monaten zu heftigen Debatten im Parlament führen. Der Liberale Trudeau hatte 2013 zugegeben, in seinem Leben fünf bis sechs Mal Ha­schi­sch geraucht zu haben – darunter bei einem Abendessen mit Freunden nach seiner Wahl ins Parlament. Trudeau ist seit dem Jahr 2015 Premierminister.

Die Freigabe von Cannabis auf Rezept für schwer kranke Patienten in Deutsch­land lässt die Gesundheitsbranche auf einen legalen Markt für die Hanfpflanze hoffen – nach dem Vorbild Kanadas und der USA. Der Biologe und Unternehmer Pierre Debs sagte am Ran­de einer Cannabis-Business-Konferenz in Berlin, die Chancen im Geschäft mit medizini­schen Cannabis-Anwendungen seien hierzulande groß. Der Mitgründer des Start-ups MedCann aus St. Leon-Rot bei Heidelberg schätzt das Nachfragepotenzial auf langfristig bis zu 1,5 Millionen Patienten. Behörden rechnen vorerst mit weniger Kunden.

Ein neues Gesetz erlaubt es Ärzten in Deutschland seit März, Cannabis-Medikamente zu verschreiben, wenn alle übrigen Behandlungswege als ausgeschöpft gelten. Bisher war dafür eine Sondererlaubnis nötig, die nur relativ selten vergeben wurde. Im Regelfall sollen künftig zudem die Krankenkassen für die Behandlungskosten aufkommen.

Grundsätzlich gibt es weiterhin aber auch Skepsis gegenüber einer fortschreitenden Li­beralisierung bei Cannabis. So betonte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen kürzlich im Jahrbuch Sucht 2017: „Marihuana bleibt in Deutschland die Drogenart mit den mit Abstand höchsten Fallzahlen.“

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