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Glioblastom: Temozolomid verlängert Leben auch bei älteren Patienten

Montag, 20. März 2017

Toronto – Die Ergänzung der Radiotherapie um eine Chemotherapie mit Temozolomid kann auch bei älteren Patienten erfolgreich sein. In einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2017; 376: 1027–1037) wurden progressionsfreies und Gesamtüberleben vor allem bei Patienten verlängert, deren Tumorzellen eine Hyper­methylierung im DNA-Reparaturenzym MGMT aufwiesen.

Die meisten Patienten mit Glioblastom erhalten nach der Operation eine Strahlenthera­pie, die nach Möglichkeit mit einer Chemotherapie kombiniert wird. Mittel der Wahl ist das Alkylans Temozolomid. Frühere Studien hatten gezeigt, dass Temozolomid die Überlebenszeiten der Patienten verlängert. An den Studien hatten jedoch nur wenige Patienten über 65 Jahre teilgenommen. Offen war, ob ältere Patienten ebenfalls von der Behandlung profitieren oder ob Alter und Begleiterkrankungen die Nutzen-Risiko-Ba­lance umkehren.

Die Canadian Cancer Trials Group hat deshalb mit europäischer Beteiligung eine Phase-3-Stu­die durchgeführt, an der an 22 Zentren (darunter vier Kliniken in Deutsch­land) 562 Patienten mit Glioblastom teilnahmen. Die Patienten waren zwi­schen 65 und 90 Jahre alt. Das mittlere Alter betrug 72 Jahre. Die Patienten wurden auf eine alleinige Radiotherapie mit 40 Gy (statt den bei jüngeren Patienten üblichen 60 Gy) oder auf eine Kombination von Radiotherapie mit einer Chemotherapie mit Temozolomid (in der auch für jüngere Patienten üblichen Dosis) randomisiert.

Temozolomid verlängerte die Überlebenszeit, den primären Endpunkt der Studie, von 7,6 auf 9,3 Monate. James Perry vom Sunnybrook Health Science Center in Toronto und Mitarbeiter ermitteln eine Hazard Ratio von 0,67, die mit einem 95-Prozent-Konfi­denzintervall von 0,56 bis 0,80 signifikant war. Temozolomid verlängerte auch das progressionsfreie Überleben von 3,9 auf 5,3 Monate. Die Hazard Ratio hier betrug 0,50 (0,41 bis 0,60).

Besonders günstig waren die Ergebnisse bei den 165 Patienten, in deren Tumorzellen das MGMT-Merkmal gefunden wurde. Temozolomid verlängerte die mittlere Überle­bens­zeit von 7,7 auf 13,5 Monate (Hazard Ratio 0,53; 0,38 bis 0,73). Bei den 189 Patienten mit negativem MGMT-Status kam es nur zu einer Verlängerung des Gesamt­überlebens von 7,9 auf 10,0 Monate. Die Hazard Ratio von 0,75 verfehlte mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,56 bis 1,01 knapp das Signifikanzniveau.

Die Verträglichkeit von Temozolomid war gut. Es kam zwar häufiger zu Lymphopenien (27,2 versus 10,3 Prozent), Thrombozytopenien (11,1 versus 0,4 Prozent) und Neu­tropenien (8,3 Prozent versus 0,8 Prozent). Das Infektionsrisiko war jedoch nicht erhöht und die Lebensqualität in beiden Gruppen gleich.

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