aerzteblatt.de

Weltweit erste Transplantation einer synthetischen Trachea

Freitag, 8. Juli 2011

Stockholm – An einer Klinik der schwedischen Hauptstadt ist die weltweit erste Trans­planta­tion einer synthetischen Luftröhre geglückt. Die Trachea war nach CT-Aufnahmen auf die anatomischen Verhältnisse des Patienten maßgeschneidert. Sie wurde mit Stammzellen des Patienten besiedelt.

Die Transplantation war eine internationale Kooperation. Der Chirurg, Paolo Macchiarini, stammt aus Italien. Er hatte erstmals 2008 einer Patientin kolumbianischer Herkunft in Spanien eine mit Stammzellen besiedelte Trachea implantiert, die anders als jetzt von einem menschlichen Spender stammte. Insgesamt zehn derartige Eingriffe hat der Chirurg bisher durchgeführt, alle mit Kadaver-Organen.

Jetzt wurde erstmals ein synthetisches Transplantat verwendet, das britische Forscher am University College London aus Nanopartikeln hergestellt hatten. Die Besonderheit war eine Vielzahl kleiner Poren, die die Besiedlung des Transplantants mit den Stammzellen des Patienten erleichtern soll.

Diese “Belebung” fand in einem Bioreaktor statt, den eine Firma aus Boston USA entwickelt hat. Der Patient, ein 36 Jahre alter Mann aus Afrika, der in Island studiert, litt an einem Tracheakarzinom. Die Operation wurde im Karolinska University Hospital in Schweden durchgeführt.

Der 12-stündige Eingriff fand bereits am 6. Juni statt. Der Patient litt an einem Tumor in der Trachea von der Größe eines Golfballs, der einer aggressiven Chemo- und Radiotherapie widerstanden hatte. Die Chirurgen entfernten das untere Ende der Trachea im Bereich der Bifurkation und ersetzten es durch das Implantat, das in Form und Größe nach den computertomographischen Aufnahmen des Patienten angefertigt worden war.

Da das Transplantat mit körpereigenen Zellen besiedelt wurde, benötigt der Patient keine Immunsuppressiva. Dies war auch bei den vorherigen Operationen mit den Kadaver-Organen der Fall gewesen, da diese vor der Besiedlung von den Zellen des Spenders befreit worden waren.

Der Vorteil des synthetischen Implantats ist neben der Passgenauigkeit die fehlende Notwendigkeit einen Spender zu finden. Dies erweist sich vor allem bei Kindern immer wieder als schwierig. Die nächste Operation plant Macchiarini denn auch an einem neun Monate alten Mädchen aus Korea, das mit einer Fehlbildung der Trachea geboren wurde./rme

© rme/aerzteblatt.de