aerzteblatt.de

Grippe: Schlechte Trendvorhersage durch Google

Dienstag, 18. Mai 2010

Seattle – Eine Internetsuchmaschine kann die behördliche Beobachtung der jährlichen Grippewelle nicht ersetzen. Google Flu Trends arbeitete zwar schneller als die Flu Surveillance der US-Centers for Disease Control and Prevention, sie war aber häufig ungenau, wie eine Vergleichsstudie ergab, die auf einer Tagung der American Thoracic Society in New Orleans vorgestellt wurde.

Die Idee von Google Flu Trends ist einfach und genial. Statt umfangreicher Umfragen bei Ärzten und teurer Laboranalysen wertet eine Software die Suchanfragen zur Grippe und ihren Symptomen aus, die immer dann ansteigen, wenn die jährliche Grippewelle anrollt.

Und da die meisten Erkrankten zu Beginn der Grippe den Rechner befragen, liegen die neuesten Grippe-Trends bei Google schneller vor als bei der CDC, die erst die Ergebnisse der Laboruntersuchungen abwarten muss und deshalb um viele Tage hinterherhinkt.

Doch die Übereinstimmung der coolen Suchmaschine mit den amtlichen Daten war in dem ersten direkten Vergleich nicht sehr hoch. Nach der Analyse von Justin Ortiz von der Universität von Washington in Seattle war Google Flu Trends zu 25 Prozent weniger genau. Dies liegt zum einen daran, dass nicht jede akute respiratorische Erkrankung in den Wintermonaten automatisch eine Grippe ist. Der Anteil liegt zwischen 20 und 70 Prozent. Allein aufgrund der Symptome ist eine exakte Diagnose nicht möglich, weder in der ärztlichen Praxis und schon gar nicht bei Google.

Eine gute Übereinstimmung gebe es in Jahren mit einem normalen Verlauf der Grippewelle, berichtet Ortiz. Abweichungen würden dagegen in ungewöhnlichen Jahren auftreten wie beispielsweise 2003/2004. Die Grippewelle begann in dieser Saison sehr früh und sie war heftiger als in anderen Jahren. Es gab eine hohe Zahl von Todesfällen bei Kindern. Dies rief ein größeres Medieninteresse hervor, was sich wiederum auf die Internetanfragen auswirkte.

Und prompt war der Algorithmus von Google Flu Trends überfordert. Er kann die Surveillance der CDC deshalb nicht ersetzen. Für eine erste Trendanalyse sei Google Flu Trends allerdings ein exzellentes, weil kostengünstiges und schnelles Instrument, findet Ortiz.

© rme/aerzteblatt.de