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Medizin

Wissenschaftler fordern Maßnahmen gegen Keimbelastung in Flugzeugen

Mittwoch, 29. August 2018

/kasto, stockadobecom

Jena – In den Fahrgasträumen der Urlaubsflieger reisen auch potenziell gefährliche Mikroorganismen mit. Das berichten Materialforscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) in einer Übersichtsarbeit im Journal Travel Medicine und Infectious Disease (2018; doi: 10.1016/j.tmaid.2018.07.011). 2017 wurden laut den Autoren 4,1 Milliarden Fluggäste befördert.

„Materialoberflächen in Flugzeugkabinen sind ein einzigartiger Lebensraum für Mikroben“, meint Klaus Jandt vom Otto-Schott-Institut für Materialforschung der Uni Jena. Kein anderes Verkehrsmittel überbrücke in kurzer Zeit so große Distanzen und verbinde Regionen mit guten Gesundheitswesen mit Gebieten, in denen Seuchen oder gefährliche Infektionskrankheiten nicht selten seien.

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In ihrer Übersichtsarbeit untersuchten die Jenaer Materialwissenschaftler systematisch anhand von nahezu 800 Originalarbeiten, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es über Mikroben auf Oberflächen in Flugzeugen gibt. „Dabei gibt es infektiöse Hotspots wie Klapptische, Armlehnen, Sitzbezüge, Türgriffe und Toilettenspültasten“, erläuterte Jandt.

Wie die Jenaer Forscher berichten, hängen die Überlebensfähigkeit und die Übertragbarkeit der Mikroben auf den Menschen auch von den Arten der Materialien und deren physikochemischen Oberflächeneigenschaften ab. Die Wissenschaftler schlagen in ihrer Arbeit einen Maßnahmenkatalog vor.

Dazu gehören unter anderem das Schaffen eines Bewusstseins für dieses Thema bei Flugzeugbauern, Fluggesellschaften, dem Kabinenpersonal und den Passagieren, Hinweistafeln an den Hotspots, eine gründlichere und häufigere Reinigung der Hotspots sowie der Einsatz von neuen antimikrobiellen Materialkonzepten. „Mit diesen Strategien könnte es bald gelingen, oberflächliche Infektionsketten in Flugzeugen nachhaltig zu unterbrechen“, hieß es aus dem Jenaer Forschungsteam. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #88255
doc.nemo
am Donnerstag, 30. August 2018, 08:52

Überrascht nicht wirklich

Wieder eine Studie mit dem Ergebnis „Okay, überrascht nicht wirklich.“ Wo immer sich Menschenmassen drängen, deponieren sie nicht nur ihren makroskopischen Müll, sondern auch ihre mikrobiologischen Hinterlassenschaften. Das wissen wir seit Jahrzehnten, und warum sollte es in Flugzeugen anders sein? Gemessen an den Abermilliarden Menschen, die weltweit in Flugzeugen, Bussen, Zügen und Schiffen transportiert werden, war das Risiko von Krankheitsübertragungen durch solche „stationären Keimträger“ immer vernachlässigbar. Die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch in Massentransportmitteln dürfte um Größenordnungen häufiger sein, hat uns aber auch noch nicht an den Rand des Aussterbens gebracht. Wer sich aufgrund dieses Artikels zukünftig in Flugzeugen fürchtet, aber auf das Fliegen trotzdem nicht verzichten will, kann sich ja mit Desinfektionstüchern behelfen. Machen zwar Müll, beruhigen aber. Für die anderen gilt: Flugzeuge sind nach wie vor die sichersten Fortbewegungsmittel. Warum sich Wissenschaftler immer wieder als Untergangspropheten aufführen, ist mir unverständlich. Vermutlich dient es dazu, die eigene Bedeutung hervorzuheben und sich weitere Forschungsgelder zu sichern.
LNS

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