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Theresa May kündigt erneute Prüfung des umstrittenen Hormonpräparats Primodos an

Donnerstag, 22. Februar 2018

Yasmin Qureshi (vierte von links) und Marie Lyon, Vorsitzende der Association for Children Damaged by Hormone Pregnancy Tests (zweite von rechts) zusammen mit betroffenen Familien auf dem Weg zur Publikation des Reports des britischen Expertengremiums in London am 15. November 2017. /dpa, Fotograf: Dominic Lipinski
Yasmin Qureshi (vierte von links) und Marie Lyon, Vorsitzende der Association for Children Damaged by Hormone Pregnancy Tests (zweite von rechts) zusammen mit betroffenen Familien auf dem Weg zur Publikation des Reports des britischen Expertengremiums in London am 15. November 2017. /dpa

London – Im Vereinten Königreich (UK) könnte der Streit um den Schwangerschaftstest Primodos eine neue Wendung nehmen. Kurz nachdem ein britisches Expertengremium einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Hormonpräparat und Missbildungen nicht bestätigen konnte, machte Theresa May eine Ankündigung. Wie diverse britische Zeitungen berichten, will sie eine erneute Überprüfung anordnen – nicht nur für den Fall Primodos, auch für das Antiepileptikum Valproat und synthetische Vaginal-Implantate bei Inkontinenz.

Bei den Prime Minister's Questions sagte Theresa May, sie sei von „starken Geschichten“ der Aktivisten betroffen gewesen, die „ein Problem mit unserem Regulierungs- und Gesundheitssystem“ hervorgehoben hätten, berichtet sky news am 21. Februar. Sie sei entschlossen, darauf einzugehen. Auch der Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jeremy Hunt gab später zu, dass die Patienten manchmal im Stich gelassen wurden: Wir müssen anerkennen, dass die Antwort auf diese Fragen von den Verantwortlichen nicht immer gut genug war, sagte er dem Unterhaus.

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Prime Minister's Questions, Theresa May /youtube

Laut der bbc soll die neue Überprüfung zuvor durchgeführte Arbeiten nicht wieder­holen. Stattdessen sollen die Belastbarkeit und Geschwindigkeit der Antworten der Behörden überprüft werden sowie die Frage geklärt werden, ob die Aufsichtsbehörden genug getan haben, um den Anliegen der Betroffenen gerecht zu werden. Zudem soll geklärt werden, ob es eine öffentliche Untersuchung geben müsste.

Primodos sowie die vergleichbaren deutschen Hormonpräparate Duogynon/Cumorit stehen seit Jahren unter Verdacht, von 1950 bis Anfang 1980 embryonale Missbil­dungen begünstigt zu haben. Trotz einer statistisch signifikanten Häufung hielten jedoch sowohl das britische Expertengremium als auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizin­produkte (BFArM) einen Zusammenhang für unwahr­scheinlich.

Britisches Gutachten: Erneuter Freispruch für Duogynon

Bonn – Ob Primodos sowie vergleichbare Hormonpräparate embryonale Missbildungen begünstigen könnten, war Gegenstand einer zweijährigen Untersuchung in Großbritannien. Die Ergebnisse wurden heute bekanntgegeben. Einen kausalen Zusammenhang konnte das britische Expertengremium trotz einer statistisch signifikanten Häufung von Geburtsfehlern nicht feststellen. Damit wurde die Einschätzung des

Eine kürzlich publizierte Studie zeigte erneut, dass die Bestandteile von Duogynon und Primodos (Norethisteronacetat und Ethinylestradiol) bei Zebrafischembryonen zu Missbildungen führten. Auf Twitter teilte das BFArM am 16. Februar mit, dass diese in Nature publizierten Daten seinerzeit bereits in den Report der britischen Experten­gruppe eingegangen seien und verweist auf Kapitel 5.1.3.2 (Data considered).

Mays Ansprache gibt den Betroffenenverbänden in Deutschland erneut Hoffnung, dass das Thema auch hierzulande erneut vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium beurteilt wird. In einer Onlinepetition, die sich an die CDU-Politikerin Annette Widmann-Mauz richtet, wird ein runder Tisch für mutmaßlich durch Duogynon/Cumorit geschädigte Menschen gefordert, um eine Entschädigungsregelung zu finden. Der Bund der Duogynonbetroffenen teilte dem Deutschen Ärzteblatt mit, dass er beim Deutschen Bundestag eine Petition eingereicht hätte wegen der Anerkennung des Opferstatus, die sich derzeit noch in der Warteschleife befinde. 

© gie/aerzteblatt.de

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TMOlesch
am Donnerstag, 22. Februar 2018, 23:57

Btte korrekte medizinische Terminologie

Darf ich daran erinnern, dass es sich bei dem im Artikel leider verwendeten Begriff „Missbildung“ um eine historische Bezeichnung handelt, die insbesondere von Ärztinnen und Ärzten, aber auch in medizinischen Zeitschriften, nicht mehr verwendet werden sollte, da sie von Betroffenen als diskriminierend empfunden wird. Die korrekte Bezeichnung ist Fehlbildung.
Dr. Thomas Olesch
LNS

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