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Medizin

Adipositas: Kann Elektroakupunktur Sport ersetzen?

Mittwoch, 19. April 2017

Stockholm – Eine Elektroakupunktur kann, wenigstens für den Moment, die Aufnahme von Glukose in die Muskelzellen steigern, was in einer Pilotstudie an gesunden Frauen und solchen mit polyzystischem Ovarialsyndrom den Stoffwechsel entlastet hat. Die Forscher führen dies im FASEB Journal (2017, doi: 10.1096/fj.201601381R) auf Reize des sympathischen Nervensystems zurück.

Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) sind häufig adipös und nur schwer zu sportlichen Aktivitäten zu motivieren. Viele würden eine Therapie begrüßen, bei der sie sich vollkommen entspannen könnten, während die kaum spürbaren Impulse einer Elektroakupunktur ihren Stoffwechsel wieder normalisieren. 

Experimente, die die Endokrinologin Elisabet Stener-Victorin vom Karolinska-Institut in Stockholm durchgeführt hat, zeigen, dass die Weiterentwicklung der fernöstlichen Heil­methode, die europäische Ärzte im letzten Jahrhundert entwickelt haben, tatsächlich Effekte erzielt. Die schwedischen Forscher ließen bei 21 gesunden Frauen und 21 Frau­en mit PCOS eine Elektroakupunktur durchführen, während sie mit der hyperglykä­mi­schen Clamp-Technik den Glukosestoffwechsel im Auge behielten.

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Die Probandinnen erhielten während der Elektroakupunktur eine Glukoseinfusion, deren Menge sich nach einem Zielwert des Blutzuckers (üblicherweise 125 mg/dl) richtet. Der Stoffwechsel schüttet unter der Glukosebelastung vermehrt Insulin aus, um die Glukose auf die Körperzellen zu verteilen. Zu den Abnehmern gehört dabei auch die Muskulatur. Eine hohe Infusionsrate der Glukose zeigt eine gute Insulinwirkung an.

Wie Stener-Vic­to­rin berichtete, verbesserte die Elektroakupunktur in beiden Gruppen den Glukose­stoffwechsel. Die Endokrinologin führt dies auf eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems zurück. Tierexperimentelle Versuche an Ratten bestätigten diese Ver­mutung. Wenn die Tiere mit einem Betablocker (der das sympathische Nervensystem ausbremst) behandelt wurden, blieb die günstige Auswirkung der Elektroakupunktur auf den Stoffwechsel aus.

Die Experimente belegen erstmals, dass die Elektroakupunktur einen günstigen Einfluss auf den Stoffwechsel hat. Dass die Therapie für Patientinnen mit PCOS einen klinischen Nutzen hat, kann die Studie allerdings nicht belegen. Dazu müsste – am besten in einer kontrollierten klinischen Studie – bei den Patientinnen regelmäßig eine Elektroaku­punk­tur durchgeführt werden, um zu sehen, ob die Behandlung auch über die Dauer der Be­handlung hinaus den Blutzucker stabilisieren kann. Eine weitere Frage wäre, ob dies langfristig die Patientinnen vor der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes schützen würde. © rme/aerzteblatt.de

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