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Medizin

Studien: Cannabis fördert Schlaganfälle und Herzrhythmus­störungen bei jüngeren Menschen

Dienstag, 12. November 2019

/dpa

Philadelphia – Konsumenten von Cannabis erlitten in zwei Studien, die auf der diesjährigen Jahrestagung der American Heart Association vorgestellt werden, bereits im jüngeren Lebensalter häufiger einen Schlaganfall oder Herzrhythmusstörungen, die sonst meist erst im höheren Lebensalter auftreten.

Die Legalisierung des Cannabis wirft für Kardiologen Fragen auf zu den möglichen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Die THC-Droge bindet nämlich an CB1-Rezeptoren, die im Herz-Kreislauf-System weit verbreitet sind. Beim Cannabis-Konsum kommt es zu einem akuten Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck. Der langfristige Konsum wird mit einer Schädigung der Blutgefäße („Cannabis Arteritis“), Vasospasmen und einer vermehrten Thrombozytenaggregation in Verbindung gebracht. Da die Droge jedoch lange illegal war, sind verlässliche Studien rar.

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Vor zwei Jahren kamen Barbara Yankey und Mitarbeiter in einer Analyse der NHANES-Umfrage („National Health and Nutrition Examination Survey“) zu dem Ergebnis, dass regelmäßige Konsumenten von Cannabis ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko haben, an Folgekrankheiten der arteriellen Hypertonie zu sterben. Die Endpunkte (Angaben zur primären Hypertonie und zu hypertensiven Nierenerkrankungen in den Todesbe­scheinigungen) waren jedoch vage und die Konfidenzintervalle der Hazard Ratio sehr weit (1,20 bis 9,79).

Ein Team um Tarang Parekh von der George Mason University in Fairfax, Virginia hat jetzt die Daten des Behavioural Risk Factor Surveillance System (BRFSS) ausgewertet. Es handelt sich um eine Querschnittstudie der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) an Erwachsenen im Alter von 18 bis 44 Jahren.

Nach den in Stroke (Stroke 2019; DOI: 10.1161/ STROKEAHA.119.027828) veröffentlichten Ergebnissen gaben insgesamt 13,6 % der Teilnehmer (43.860 Personen) an, in den letzten 30 Tagen Cannabis konsumiert zu haben. Es handelte sich häufiger um Personen, die Tabak rauchten (37,9 versus 15 %), E-Zigaretten benutzten (15,5 versus 4,9 %) und einen hohem Alkoholkonsum hatten (16,8 versus 4,9 %) – drei Faktoren, die ebenfalls das Schlaganfallrisiko erhöhen.

Doch auch nach Berücksichtigung dieser Faktoren blieb das Schlaganfall-Risiko erhöht. Parekh ermittelt eine Odds Ratio von 1,82 (95-%-Konfidenzintervall 1,08 bis 3,10), für den Cannabis-Konsum insgesamt und von 2,45 (1,31 bis 4,60) für Personen, die an mehr als zehn Tagen im Monat Cannabis konsumierten.

Da es sich um eine Querschnittstudie handelt, ist die Beweiskraft insgesamt gering. Parekh konnte zwar eine Reihe von Begleitfaktoren berücksichtigen. Neben Alkohol, Tabak, und E-Zigaretten gehörten Alter, Geschlecht, Bildung, Familienstand, BMI, körperliche Aktivität, Diabetes mellitus dazu. Dennoch bleibt es möglich, dass andere ungesunde Aspekte eines Lebensstils übersehen wurden, die für das Schlaganfall-Risiko der Cannabis-Konsumenten verantwortlich sind.

In einer weiteren Untersuchung kommt Rikinkumar Patel vom Griffin Memorial Hospital in Norman/Oklahoma zu dem Ergebnis, dass Cannabis-Konsumenten häufiger wegen Herzrhythmusstörungen hospitalisiert werden. Der Forscher stützt sich auf eine Analyse des „Nationwide Inpatient Sample“, einer repräsentativen Stichprobe von Diagnosen von Krankenhauspatienten. Die Analyse ergab, dass vor allem junge afroamerikanische Männer im Alter zwischen 15 und 24 Jahren ein erhöhtes Risiko haben, infolge des Cannabis-Konsums wegen Herzrhythmusstörungen in einem Krankenhaus behandelt zu werden. Die Ergebnisse der Studie, die noch nicht publiziert ist, sollen in der nächsten Woche auf der Kardiologentagung vorgestellt werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #801506
S3r0
am Samstag, 30. November 2019, 06:32

Bitte kneifen Sie mich ^^

Verstehe ich das wirklich richtig – es geht hier tatsächlich um die Folgen gerauchten Cannabis?! ^^

Also ich erinnere mich an Robert M. Julien, in Drugs and Pharmacokinetics, der... lassen Sie mich versuchen, mich zumindest grob zu erinnern... ungefähr 1995 recht unmissverständlich darauf hinwies, dass Cannabis-Rauch, wer hätte das gedacht, qualitativ und quantitativ ähnlich problematisch ist, wie Tabak-Rauch. Und ich darf vllt ergänzen: Vage ähnlich dürfte es bei Kopfsalat-Rauch oder etwa Buchenlaub-Rauch sein... Also ich denke, Sie wissen schon, was ich meine. :)
Also manchmal...
Avatar #787436
afranke_ch
am Dienstag, 19. November 2019, 18:41

Angst vor Konkurrenz aus der Natur?

Die Pharma soll sich mal Pampers kaufen. Wer das Buch "Hanf als Medizin" von Dr. Franjo Grotenhermen gelesen hat, kennt die Wahrheit. Cannabis ist weder gefährlich noch komplett unbedenklich. Man muss es nur RICHTIG anwenden!
Avatar #797903
erwindo
am Mittwoch, 13. November 2019, 16:10

Geringe Beweiskraft

Wie der Artikel es auch wiedergibt ist die Beweiskraft der Studien insgesamt gering. Natürlich hat Cannabiskonsum auch Risiken, die Überschrift finde ich wenn man den Evidenzgehalt der Studien berücksichtigt doch etwas reisserisch.
Avatar #768286
Nofri
am Mittwoch, 13. November 2019, 13:48

Studie sehr merkwürdig

Also dass Cannabis Bluthochdruck verursachen soll kann ich nicht bestätigen. Mein Partner litt unter sehr hohem Blutdruck, der auch mit Medikamenten nicht wirklich besser wurde. Hinzu kamen jedoch Nebenwirkungen der Medikamente. Mit nur 3 - 4 Zügen an einer Cannabiszigarette sank innerhalb von 5 Minuten der Blutdruck auf normal und blieb für 6 Stunmden auch normal! Psychische/Physische Auswirkungen waren bei so wenig Inhalation nicht zu versprüren. ( Das Cannabis hatten wir aus der Apotheke auf Rezept!) Mein Sohn ist Epileptiker, der nicht therapierbar schien. Cannabis stoppte Anfälle noch vor dem Eintreten, ohne dass er süchtig geworden wäre, was bei Diazepinen eher zu erwarten ist und auch bekannt. Hier sehe ich eher eine von der Pharma finanzierte Studie, die Angst vor Marktanteilsverlusten hat, wenn sich zeigt, dass Cannabis ein Medikament ist, was heilen kann und keine Dauerpatienten erschafft. Behandeln reicht eben nicht, Nebenwirkungen von Pharmamedikamenten sind längst länger als die Hauptwirkung eines Medikamentes...liebe Mitleser, wer sowas noch akzeptieren kann, darf nicht Angst vor Cannabis schüren. Die Dosis macht alles zum Gift oder Medikament. Wer bereit ist massive Nebenwirkungen bei Medikamenten zu akzeptieren aber gleichzeitig unbegründete Panik vor einem Naturheilmittel schürt, weil es Süchtige gibt, die dieses Cannabis missbrauchen (was auch bei Pharmamitteln geschieht z.B. Oxycodon!), der macht sich zum Lobbyisten der Pharma und verhindert das Wohlergehen vieler Patienten.
Avatar #98755
dro50
am Mittwoch, 13. November 2019, 13:14

Was soll der Unsinn?

Das Zeug braucht keiner. Es ebnet den Weg zu härteren Drogen. Es macht offensichtlich krank. Interesse an der Verfügbarkeit können nur Abhängige und Dealer haben
LNS

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