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Tausende traumatisierte Flüchtlinge ohne Therapieplatz

Dienstag, 12. November 2019

/picture alliance, Anas Alkharboutli

Berlin – Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flücht­lin­ge und Folteropfer (BAfF) kritisiert, dass viele traumatisierte Asylsuchende in Deutsch­land keinen Therapieplatz bekommen. Die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten, die Beratungsstellen müssten laut dem bisher nicht veröffentlichten Versorgungsbericht der BAfF jährlich mehrere Tausend Menschen abweisen.

2017 seien demnach „mindestens 7.212 Geflüchtete“ abgewiesen worden, die um Hilfe bei den Psychosozialen Zentren der BAfF gebeten hatten. 2016 seien es 10.360 gewesen: „Die Dunkelziffer ist hoch, weil nicht alle Anfragen dokumentiert werden“, zitieren die Zeitungen aus dem Bericht. Diese Flüchtlinge könnten „weder versorgt, noch auf die Warteliste gesetzt werden“.

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Der Dachverband der Behandlungszentren für Opfer von Menschenrechtsverletzungen und politischer Verfolgung gibt den Zeitungen zufolge an, dass 2017 insgesamt 21.418 Klienten in den deutschlandweit 37 Hilfsstellen betreut wurden. „Damit versorgten alle Psycho­sozialen Zentren gemeinsam mehr als doppelt so viele Menschen wie noch fünf Jahre zuvor“, so der Bericht weiter.

Die gestiegene Zahl der Behandlungen hänge auch mit der insgesamt gewachsenen Zahl an Asylsuchenden zusammen, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland ge­kommen seien. Der aktuelle Bericht der BAfF beschreibe zudem, warum Flüchtlinge oftmals besonders stark traumatisiert seien.

„Leben Geflüchtete ohne sicheren Aufenthaltsstatus unter eher restriktiven Aufnahmebe­dingungen, haben sie ein höheres Risiko, an psychischen Störungen zu erkranken als ver­gleichbare Personengruppen“, heißt es. Asylsuchende würden zudem „häufiger unter psy­chischen Erkrankungen leiden“, wenn sie in Sammelunterkünften und nicht in privaten Wohnungen leben. © kna/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 13. November 2019, 01:27

Ohne Sprachkenntnisse

ist weder die Diagnose "PTBS" sicher zu stellen, noch ist irgendeine Therapie möglich.
Auch einheimische Traumapatienten haben kaum eine Möglichkeit, einen adäquaten ambulanten Therapieplatz zu finden. Die Wartezeit wäre lange genug für zugewanderte Traumapatienten, die Sprache zu erlernen - ca. 2 Jahre!
Hinzu kommen die kulturellen Besonderheiten der Einwanderer: Im islamischen Kulturkreis kommen "seelische Störungen" nicht vor. Patienten erleben sich als körperlich krank, selbst gut integrierte Personen mit guten Sprachkenntnissen haben große Probleme, ein psychisches Krankheitskonzept überhaupt zu akzeptieren.
Avatar #749292
bluedreams54
am Dienstag, 12. November 2019, 20:45

Tausende traumatisierte Flüchtlinge

Ich erlebe in meiner Arbeit in der Psychiatrie Traumatisierte, denen z.b. aus sprachlichen Gründen kaum geholfen werden kann da es an Dolmetschern fehlt.
Und dann die Mangel- Gesamtsituation in Deutschland bzgl fehlender Therapieplätze. Die es ja schon lang gibt und für psychisch Kranke zu einer unerträglichen Unterversorgung beiträgt. Da löuft derzeit so Einiges in ganz und gar ungute Richtungen
LNS

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