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Forscher erproben Methoden der virtuellen Realität bei der Adipositastherapie

Dienstag, 1. Oktober 2019

/romaset, stock.adobe.com

Würzburg – Viele Menschen mit Adipositas haben eine fehlerhafte Wahrnehmung ihres Körpers, was die therapeutische Arbeit erschwert. Viele Betroffene verlieren zudem den Glauben daran, abnehmen zu können. Diese Hoffnungs­losigkeit kann sich auf das soziale Leben und die Psyche auswirken.

Neue Therapieansätze mittels Methoden der virtuellen Realität erproben jetzt Wissen­schaftler in einem Verbundprojekt unter Leitung von Marc Erich Latoschik und Carolin Wienrich von der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg gemeinsam mit Mario Botsch von der Universität Bielefeld. Beteiligt sind außerdem Gruppen aus München, Berlin und Gera.

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Die Unternehmen brainboost und The Captury beteiligen sich ebenfalls an dem Vorhaben namens „Virtual Reality Therapy by Stimulation of Modulated Body Perception“, kurz ViTraS. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt in den kommenden drei Jahren mit rund 2,5 Millionen Euro.

„Bislang stehen Diäten, die Änderung der Lebensgewohnheiten oder die operative Ver­klei­ne­rung des Magens als Therapieoptionen im Vordergrund. Die psychischen Ursachen und Folgen bleiben oft untergeordnet“, erläuterte Latoschik.

„Die Patienten sollen im Rahmen des Projektes zunächst ein realistisches Bild ihres eige­nen Körpers erhalten“, erläutert Wienrich. Dazu erschaffen die Forscher ein exaktes virtu­elles Abbild der betroffenen Person, einen Avatar. Dazu werden Patienten mit 120 Kame­ras aus verschiedenen Perspektiven fotografiert.

Das Team der Universität Bielefeld setzt daraus ein realitätsgetreues Abbild des Körpers zusammen, das im virtuellen Raum agieren kann – gesteuert vom Patienten selbst. „Man muss seine gewohnten Komfortzonen verlassen und lernen, das virtuelle Abbild als den eigenen Körper zu akzeptieren“, so Wienrich.

Nach einer Phase der Eingewöhnung könnten die Möglichkeiten der virtuellen Umge­bung zum Einsatz kommen. „Darin können wir zum Beispiel Situationen konstruieren, die dabei helfen, Teufelskreise aus der realen Welt zu durchbrechen“, so der Forscher.

Es bestehe außerdem die Möglichkeit, den Avatar beliebig zu verändern. Zurückliegende Ereignisse wie ein schleichender Gewichtsanstieg über viele Jahre ließen sich so in der Rückschau aufar­beiten. „Aber auch die Aussichten einer erfolgreichen Therapie können vor Augen geführt werden“, hieß es. © hil/aerzteblatt.de

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