NewsAuslandTürkischer Wissenschaftler wegen Veröffentlichung von Krebsstudie verurteilt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Türkischer Wissenschaftler wegen Veröffentlichung von Krebsstudie verurteilt

Donnerstag, 26. September 2019

Karte der Türkei /Arid Ocean Stock.Adobe.com
Die beiden von häufigen Todesfällen durch Krebs betroffenen Provinzen liegen in der Nordwesttürkei (Thrakien und Kocaeli). In Thrakien findet man industrielle Landwirtschaft und Kocaeli Schwerindustrie, Stahlwerke und Ölraffinerien. /Arid Ocean Stock.Adobe.com

Istanbul – Ein türkischer Experte ist wegen der Veröffentlichung einer Krebsstudie zu 15 Monaten Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Istanbul befand den Forscher Bülent Sik heute der Verbreitung von unter Verschluss gehaltenen Informationen schuldig. Sik hatte vergangenes Jahr die Ergebnisse einer für das Ge­sund­heits­mi­nis­terium erstellten Studie zu den Auswirkungen von Umweltgiften auf das Krebsrisiko in der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet veröffent­licht.

Vor der Urteilsverkündung hatte Sik erneut seinen Freispruch gefordert. „Chemische Verschmutzung muss als Problem ernst genommen werden“, sagte der Forscher. „Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Krebs und dem Leben in einer von Giftstoffen verseuchten Umwelt.“ Nach dem Urteil sagte er, es sei „inakzeptabel“, dass eine Studie mit direkter Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit unter Verschluss gehalten werden könne.

Anzeige

Auch Amnesty International hatte zuvor seinen Freispruch gefordert. „Statt die Erkennt­nisse zu unterdrücken und Sik den Prozess zu machen, sollten das Gesundheitsminis­terium und die anderen zuständigen Behörden die dringend notwendigen Maßnahmen ergreifen, um dieser Umweltverschmutzung zu begegnen und die öffentliche Gesundheit zu schützen“, forderte die Amnesty-Forscherin Milena Buyum vor dem Gerichtsurteil.

Der Experte für Lebensmittelsicherheit an der Akdeniz Universität hatte vergangenes Jahr in der Zeitung Cumhuriyet in einer Reihe von Artikeln die Ergebnisse seiner Forschung zur Auswirkung von Umweltgiften veröffentlicht. Sik habe dies getan, weil die Behörden keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen hätten, erklärte Amnesty. Die Verbreitung der Informationen sei durch das Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt.

Studie bestätigtstark erhöhte Krebsrate in zwei türkischen Provinzen

AufgrundhäufigerTodesfälle inzwei Provinzen in der Nordwesttürkei hattedas Gesund­heitsministerium in Ankara 2012 bei der Universität Antalya eine umfassende Feldstudie in Auftrag gegeben. Die Forscher sollten die die höhere Rate tödlicher Krebserkrankun­gen verifizieren und die Ursachen herausfinden. Darüberberichtete unter anderem die Onlinezeitung Gazete Karinca.

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass im Gegensatz zur restlichen Türkei nicht jeder zehnte Todesfall auf Krebs zurückführbar war, sondern jeder dritte. Ursache soll eine stark erhöhte Belastung desBodens, Wassers und der Luft mit Pestiziden, Schwermetallen und polyaromatischen Hydrokarbonverbindungen sein. © afp/gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. November 2019
Berlin – Die G20-Staaten tun einer internationalen Untersuchung zufolge weiterhin zu wenig, um die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Der Treibhausgasausstoß der 19 Industrie- und Schwellenländer
Kein G20-Staat beim Klimaschutz auf 1,5-Grad-Kurs
5. November 2019
Neu-Delhi – Fahrverbote, gestoppte Bauarbeiten und ein Luftreinigungsmobil vor dem Taj Mahal – Indien ergreift eine Reihe von Maßnahmen gegen den gesundheitsschädlichen, extremen Smog in Neu-Delhi und
Indien ergreift Maßnahmen gegen Smog
4. November 2019
Berlin – 30 Jahre nach dem Fall der Mauer haben sich die Ost-West-Unterschiede in der Gesundheit deutlich verringert. Frauen haben in den neuen Bundesländern inzwischen sogar eine minimal höhere
Lebenserwartung von Frauen im Osten etwas höher als im Westen
31. Oktober 2019
London – Die Dosieraerosole, die Patienten mit Asthma und anderen Atemwegserkrankungen regelmäßig anwenden, enthalten Treibhausgase. Ein Wechsel auf Pulverinhalatoren könnte nach Berechnungen in BMJ
Umstellung auf umweltfreundliche Asthma-Inhalatoren könnte CO2-Emissionen und Kosten senken
29. Oktober 2019
London/San Diego – Sie finden sich auf Gehwegen, an Stränden, in Gleisbetten und um Wartehäuschen: Zigarettenstummel sind weltweit das am häufigsten weggeworfene Abfallprodukt. Das ist nicht nur
Forscher fordern Verbot von Filterzigaretten
22. Oktober 2019
Berlin – Rund jeder vierte Deutsche (24,9 Prozent) hat flüssige Medikamente schon mal unsachgemäß über Toilette oder Waschbecken entsorgt. Immerhin jeder zehnte Befragte (11,3 Prozent) hat das schon
Kampagne gegen falsche Arzneimittelentsorgung
16. Oktober 2019
Kopenhagen – Trotz einer Verbesserung der Luftqualität in Europa führt die anhaltende Luftverschmutzung weiterhin jährlich zu Hunderttausenden vorzeitigen Todesfällen auf dem Kontinent. Wie die
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER