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Avatar #637708
am Montag, 9. Dezember 2019 um 11:02

Tendenziöse Berichterstattung

Kommentar zum Print-Artikel
Psychiatrische und psychosomatische Kliniken: Tendenziöses Prüfverhalten des MDK
aus Deutsches Ärzteblatt 49/2019 vom Freitag, 6. Dezember 2019
Es erstaunt mich immer wieder, wie "tendenziös" das Deutsche Ärzteblatt als Organ der Ärztekammer, der Standesvertretung aller Ärzte, über die ärztlichen Kollegen des MDK Bericht erstattet. Jüngstes Beispiel ist dieser Artikel, in dem es "Sachverständige" (Zitat mit Anführungsstrichen!) heißt und den sozialmedizinischen Kollegen jeglicher Sachverstand abgesprochen wird. Wer fragt denn im Übrigen, wieviel Kenntnis der Sozialmedizin/Sozialgesetzgebung die Leistungserbringer im Öffentlichen Gesundheitswesen haben, angefangen von den Chefärzten bis zu den Assistenzärzten sowie allen niedergelassenen Ärzten, denn für alle gelten die Bestimmungen des SGB V. Mir vergällt dies, das Ärzteblatt überhaupt noch zu lesen und ernst zu nehmen.
Avatar #25855
am Donnerstag, 12. Dezember 2019 um 14:41

Sachverständige im MDK

Dieser Diskurs illustriert sehr gut, woran das System der DRG-Abrechnung mit nachgängiger MDK-Prüfung systematisch krankt. Denn mit der unstrittig vorhandenen sozialmedizinischen Kompetenz der ärztlichen MDK-Mitarbeiter inkl. SGB V-Detailkenntnis lässt sich eben nicht die fachspezifische Teilgebietskompetenz der Klinikärzte ersetzen. Die Autoren dieses insofern folgerichtigen "Brandbriefes" beklagen im psychiatrischen Bereich sehr treffend, was im allgemeinen Bereich schon lange Usus ist: Undifferenzierte, teilweise absurde, von Computerprogrammen angestoßene Vergütungskürzungen, mit denen auf echtes oder vermeintliches upcoding systematisch aber eben nicht Fall-bezogen reagiert werden soll. Die Kostenträger erhoffen sich dadurch Krankenhausplanung durch die Hintertür. Das kann nur schief gehen und gipfelt dann ich solchen Stilblüten wie "Dialyse ist eine hinreichende Alternativtherapie anstatt Nierenfunktions-erhaltender (off-Label) Therapie" oder "Beim akuten Nierenversagen kann durch Straffung der Abläufe eine Aufenthaltsdauer von 1 Tag erreicht werden". Kein Wunder, dass die Kostenträger solche Fälle vorm Sozialgericht zuverlässig verlieren allerdings immer erst Jahre später (und meist über alle Instanzen !!)und unter massivem gegenseitigen Ressourcenverbrauch zulasten der Krankenversorgung. Diese hochnotwendige Diskussion, verehrte/r KollegIn "Faust1" sollten Sie schon weiter verfolgen, auch wenn Ihnen die Lektüre vergällt ist.
Avatar #68231
am Freitag, 13. Dezember 2019 um 11:45

Mutiges Statement

Als Chefarzt in einem großen psychiatrischen Krankenhaus möchte ich Herrn Kollegen Eirund herzlich für seinen offenen, mutigen und sehr klaren Beitrag danken.
Bedauerlicherweise kann ich inhaltlich alle von Herrn Eirund kritisierten Abläufe aus meiner eigenen klinischen Erfahrung bestätigen. Als klinisch tätiger Arzt ist es nahezu unerträglich, Monate nach Ende einer Behandlung mit den Kolleginnen und Kollegen des MDK in erster Linie um Formalia und dokumentierte Formulierungen in der Patientenakte zu streiten. Die Zeiten, in denen hier tatsächlich kollegiale Gespräche mit einem gewissen fachlichen Niveau über Anamnese, Diagnose, klinischen Verlauf und die Güte und Sinnhaftigkeit der im Krankenhaus erfolgten Behandlung geführt wurden, scheinen lange vorüber zu sein. Die Gespräche haben mittlerweile eher die Atmosphäre einer Beschuldigten-Vernehmung, als eines lösungsorientierten fachlichen Austausches, der zur Qualitätssicherung und –verbesserung beitragen könnte und wohl auch sollte. Der sehr schädliche und unerfreuliche Nebeneffekt dieser Entwicklung ist die zunehmende, gezwungenermaßen rein defizitorientierte Dokumentation durch die Krankenhäuser. So büßt die klinische Dokumentation den eigentlichen Zweck ein, dass nämlich alle an der Behandlung beteiligten Personen über Ziel und aktuellen Zustand der Patienten gut informiert sind. Würden die Krankenhäuser dies in einer Art und Weise durchführen, die in erster Linie dem fachlichen Austausch der Behandelnden dient, wären die Abzüge durch die Krankenkassen noch wesentlich höher. Dies nicht etwa, weil die Behandlungen unwirtschaftlich oder gar überflüssig wären, sondern einfach, weil unsere ärztlichen Kollegen des MDK ganz offensichtlich unter dem Druck stehen, den Verlauf ausschließlich nach Hinweisen zu durchforsten, die irgendwie formal eine Kostenkürzung begründen könnten.
Avatar #753468
am Samstag, 14. Dezember 2019 um 21:07

Muss ich als Gutachter für das Sozialgericht auch immer wieder erleben !

Als Gutachter für ein großes Sozialgericht bekomme ich immer wieder Streitfälle auf den Schreibtisch, in denen die Kran­ken­ver­siche­rungen aufgrund von MDK-Gutachten rückwirkend die Kostenerstattung für mehrere Tage oder Wochen verweigern. Dies geschieht zwar teilweise, zumindest aufgrund der Aktenlage, durchaus zu Recht, wenn zum Beispiel einfache Fragebögen wie der BDI falsch ausgewertet wurden und bei einem Punktwert von 18 bereits eine mittelgradige Depression diagnostiziert wurde. Meist finden sich die Fehler jedoch in den MDK-Gutachten, die Eintragungen in den Krankenakten nicht wiedergeben oder aus dem Zusammenhang gerissen zitieren. Da muss nur eine Krankenschwester einmal im Verlauf dokumentiert haben, das der Patient am Abend mit den anderen Patienten Karten gespielt hat und dabei lachte und schon wird die Notwendigkeit der weiteren stationären Behandlung in Frage gestellt. Kürzlich hatte in einem Fall der MDK-Gutachter die Entlassung rückwirkend für den 31.12. als möglich erachtet, ohne dabei die noch nicht abgeschlossene Einstellung auf ein neues Medikament und die Versorgungssituation im ambulanten Bereich in dieser Jahreszeit zu beachten. Es wurde dann auch seitens des MDK damit argumentiert, das bei einem Rückfall ja jederzeit wieder eine vollstationäre Aufnahme möglich gewesen wäre. Dies dürfte aus Kostengründen weder im Sinne der Versicherung, noch aus ethischen Gründen im Sinne des Patienten sein.

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