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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Glioblastom: Gentherapie gegen aggressive Hirntumore

Dtsch Arztebl 2019; 116(41): A-1842 / B-1520 / C-1489

Meyer, Rüdiger

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Foto: Your Photo Today
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Eine neuartige Gentherapie des Glioblastoms mit Interleukin 12 hat sich in einer Phase-1-Studie als sicher erwiesen und das Überleben vermutlich verlängert (1). Der Botenstoff Interleukin 12 (IL-12) veranlasst natürliche Killerzellen und andere T-Zellen dazu, Krebszellen zu vernichten. Mehrere Studien zur Therapie mit IL-12 mussten aber wegen schwerer Komplikationen vorzeitig abgebrochen werden.

Die jetzt erstmals erprobte Therapie will die Immunabwehr gezielt auf den Tumor konzentrieren. Dazu wird ein Gen zur IL-12-Produktion ins Tumorareal injiziert. Ein Adenovirus schleust dort dieses Gen in Körperzellen, die dann IL-12 produzieren. Um die so aktivierte Immunabwehr im Fall von Komplikationen jederzeit stoppen zu können, wird die Gentherapie mit einer Art Schalter versehen. IL-12 wird nur unter der Gabe des Wirkstoffes Veledimex produziert. Diese Therapie (Ad-RTS-hIL-12 plus Veledimex) wurde jetzt an 31 mehrfach vorbehandelten Glioblastompatienten erprobt. Die Lebenserwartung ist auf wenige Monate geschätzt worden.

Der Hirntumor war zuvor operativ entfernt worden, was wegen des infiltrierenden Wachstums nur teilweise gelang. Nach der Resektion und vor dem Verschluss der Schädeldecke injizierte der Neurochirurg in zwei Randbereichen Ad-RTS-hIL-12. 3 Stunden zuvor war die erste Dosis Veledimex verabreicht worden. Für 2 Wochen nahmen die Patienten täglich eine weitere Dosis ein.

Das Ziel der Studie waren Sicherheit und Dosisfindung für Veledimex. Wie Antonio Chiocca vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und seine Mitarbeiter berichten, kam es bei höheren Dosierungen häufiger zu einem Zytokin-Release-Syndrom und zu einem Abfall der Lymphozyten. Die Compliance der Patienten war deutlich vermindert.

Fazit: Die Wirksamkeit der Behandlung lässt sich mangels Kontrollgruppe nur abschätzen. Die Patienten überlebten unter der Dosis von 20 mg/d im Durchschnitt 12,7 Monate, somit deutlich länger als erwartet. Wurde auf immunsuppressive Steroide (zur Vorbeugung des Hirnödems) verzichtet, verlängerte sich die durchschnittliche Überlebenszeit auf 17,8 Monate (vs. 6,4 Monate mit Steroiden). Das ist für ein Glioblastom ungewöhnlich lange. Aufgrund dieser Resultate wurden bereits weitere Patienten behandelt (NCT03679754). Die Therapie wird auch stereotaktisch vorgenommen. Geplant ist außerdem eine Kombination mit dem Checkpoint-Inhibitor Nivolumab.

Rüdiger Meyer

Chiocca EA, Yu JS, Lukaas RV, et al.: Regula–table interleukin-12 gene therapy in patients with recurrent high-grade glioma: Results of a phase 1 trial. Science Translational Medicine 2019; 11 (505): eaaw5680.

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