MedizinOnkologieWissenschaft Onkologie
Wissenschaft

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom: Kombination Pemetrexed plus Bevacizumab ist den Monotherapien nicht überlegen

Dtsch Arztebl 2019; 116(38): A-1659 / B-1372 / C-1344

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com

Während die Zahl der Neuerkrankungen und Sterbefälle an Lungentumoren bei den Männern seit längerer Zeit ein Plateau erreicht hat und die altersstandardisierten Raten sinken, nehmen sie bei Frauen zu (1). In absoluten Zahlen sterben dennoch deutlich mehr Männer am Bronchialkarzinom: 29 378 Sterbefälle weisen deutsche Krebsregister für 2015 bei den Männern aus und 15 881 bei den Frauen. Wegen meist fortgeschrittener Tumorstadien bei Diagnose ist die 5-Jahres-Krebsüberlebensrate mit 18 % noch immer ungünstig. Zu 84 % sind Lungentumore nichtkleinzellige Bronchialkarzinome (NSCLC).

Bei Patienten mit fortgeschrittenen NSCLC, die auf eine platinbasierte Chemotherapie in der Erstlinie angesprochen haben, wird eine Erhaltungstherapie empfohlen. Pemetrexed und Bevacizumab sind Optionen. Ob jeweils Monotherapien mit diesen Substanzen ausreichen oder eine Kombination klinisch relevante Vorteile bringt, ist bislang aber nicht prospektiv und randomisiert direkt miteinander verglichen worden.

Diese Lücke füllt die multizentrische Phase-3-Studie ECOG-ACRIN 5508 (2). 874 Patienten mit einem fortgeschrittenen nicht-squamösen NSCLC und ohne Progression nach einer Induktionsbehandlung mit Carboplatin, Paclitaxel und Bevacizumab (bis zu 4 Zyklen) sind in 3 Studienarme randomisiert worden: die Erhaltungstherapie mit Pemetrexed (n = 294), mit Bevacizumab (n = 287) oder mit der Kombination aus beiden Substanzen (n = 293). Die Beobachtungsdauer lag bei median 50,6 Monaten. Primärer Endpunkt war das mediane Gesamtüberleben (OS) mit der Bevacizumab-Gruppe als Referenz.

Unter Pemetrexed-Monotherapie betrug das OS 15,9 Monate vs. 14,4 Monate unter Bevacizumab (Hazard Ratio [HR]: 0,86; p = 0,12) und bei der Kombinationstherapie lag es bei 16,4 Monaten (vs. 14,4 Monate unter Bevacizumab; p = 0,28). Das progressionsfreie Überleben (PFS) unterschied sich mit median 4,2 Monaten (Pemetrexed) und 5,1 Monaten (Bevacizumab) zwar signifikant von der Kombination (PFS: 7,5 Monate; HR: 0,67; p < 0,001). Allerdings waren auch die Toxizitätsraten (Grad 3–4) mit 51 % bei der Kombinationstherapie deutlich erhöht im Vergleich zu 29 % bei einer Pemetrexed-Monotherapie und 37 % bei Bevacizumab-Monotherapie.

Fazit: „Die Studie belegt, dass die Kombinationstherapie von Pemetrexed und Bevacizumab einer alleinigen Bevacizumab- oder Pemetrexed-Behandlung nicht überlegen ist“, kommentiert Prof. Dr. med. Frank Griesinger, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie am Pius-Hospital Oldenburg. „Außerdem ist eine Pemetrexed-Monotherapie einer Bevacizumab-Monotherapie in der Erhaltung nicht überlegen. Die Aussagekraft der Studie auf die aktuellen Therapiealgorithmen beim nichtsquamösem NSCLC ist allerdings insofern limitiert, da die Erhaltungstherapie mit Bevacizumab oder Pemetrexed inzwischen in Kombination mit PD-1- oder PD-L1-Inhibitoren (Pembrolizumab oder Atezolizumab) erfolgt, für die die Studie keine Aussage erlaubt.“

 Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Krebs in Deutschland. Robert Koch-Institut Berlin, 2017.
  2. Ramalingam SS, Dahlberg SE, Belani CP, et al.: Pemetrexed, Bevacizumab, or the combination as maintenance therapy for advanced nonsquamous non-small-cell lung cancer: ECOG-ACRIN 5508. J Clin Oncol 2019; 37 (26): 2360–7.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

NEWSLETTER