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Kann scharfes Essen das Leben verlängern?

Freitag, 20. Januar 2017
Kann scharfes Essen das Leben verlängern?

Mögen Sie ihre Speisen gerne scharf gewürzt? Dann dürfen Sie nach den Ergebnissen einer aktuellen Studie auf ein langes Leben hoffen. US-Amerikaner, die in Quer­schnittuntersuchungen angaben, dass sie ihr Essen regelmäßig mit Pfeffer und Chili würzen, hatten in einer jetzt veröffentlichten Analyse ein signifikant vermindertes Sterberisiko. 

Der Medizinstudent Mustafa Chopan und Benjamin Littenberg von der Universität Vermont haben die Daten der National Health and Nutritional Examination Survey (NHANES) ausgewertet, die regelmäßig einen Querschnitt der US-Bevölkerung nach ihren Lebens- und auch Ernährungsgewohnheiten befragt. Eine Frage betraf die Vorliebe für rote Chilischoten. Das Gewürz verleiht dem Essen aufgrund eines hohen Gehalts an Capsaicin eine scharfe Note.

Von den 16.179 erwachsenen US-Amerikanern, die in den Jahren 1988 bis 1994 befragt wurden, sind inzwischen 4.946 gestorben. Das ist ein Anteil von 30,5 Prozent. Bei den Amerikanern, die gerne mit Chili würzen, betrug die Sterblichkeit nur 21,6 Prozent gegenüber 33,6 Prozent, die kein Chili verwenden. Das ist ein beachtlicher Unterschied, der aber in erster Linie darauf zurückzuführen war, dass jüngere Menschen häufiger würzen.

Chili-Liebhaber waren häufiger männlich, weiß oder mexikanischer Abstammung. Sie waren öfter verheiratet, rauchten eher Zigaretten oder tranken eher Alkohol, verzehrten mehr Gemüse und mehr Fleisch. Sie hatten ein niedrigeres HDL-Cholesterin, ein niedriges Einkommen und weniger Bildung. Alle diese Faktoren beeinflussen das Sterberisiko in die eine oder andere Richtung. 

Diese Einflüsse lassen sich mathematisch eliminieren. Unter dem Strich blieb jedoch eine adjustierte Hazard Ratio von 0,87 übrig, die mit einem 95-Prozent-Konfidenz­intervall von 0,77 bis 0,97 statistisch signifikant war. Sie bedeutet, dass Chili-Konsumenten ein um 13 Prozent vermindertes Sterberisiko haben – könnten.

Das Modalverb deutet es schon an. Eine Kausalität lässt sich aus einer epidemio­logischen Studie nicht ableiten. Der einfachste Einwand ist eine reverse Kausalität. Es könnte sein, dass Menschen mit einem erhöhten Krankheitsrisiko als erstes den Appetit verlieren und deshalb auf Gewürze verzichten.

Es ist allerdings nicht die erste Untersuchung, die zu diesem Ergebnis kommt. Vor zwei Jahren hatten chinesische Epidemiologen berichtet, dass die Verwendung von Chili das Sterberisiko senkt. Chinesen, die 3 bis 5 mal in der Woche stark gewürzte Speisen zu sich nahmen, hatten ein um 14 Prozent vermindertes Sterberisiko (Hazard Ratio 0,86; 0,80-0,92). 

Das Team um Liming Li von der Universität Peking vermutete damals, dass antimikrobielle, antioxidative, entzündungshemmende und krebsschützende Eigenschaften von Capsaicin für den Effekt verantwortlich sind. Chopan und Littenberg haben sich jetzt Gedanken über einen Wirkungsmechanismus gemacht. Die TRP-Kanäle („transient receptor potential channels“), über die Capsaicin seine scharfe Wirkung entwickelt, sollen auch an der Regulierung der Thermogenese beteiligt sein.

Dies erklärt, warum scharf gewürzte Speisen (englisch „hot“) oft ein Wärmegefühl (englisch „hot“) erzeugen. Ob dies allerdings ausreicht, um über den vermehrten Verbrauch von Kalorien ein Übergewicht und seine Folgerisiken zu vermeiden, dürfte fraglich sein.

dr.med.thomas.g.schaetzler am Freitag, 20. Januar 2017, 20:15
Im 4.größten Land der Welt,
der VR China mit 9.598.060 km² und weit über 1 Milliarde Einwohnern, verschiedenen Volksstämmen, Ethnien, Regionen, Territorien, Landschaften (Europa 550 Mio. Einw.) die gesamte- und spezifische Mortalität auf scharf gewürzte Speisen und auf Chili herunterbrechen zu wollen, ist eine unfassbar einfältige Krankheits-epidemiologische Stümperei ersten Ranges:

http://news.doccheck.com/de/blog/post/2788-wer-chili-sich-nicht-leisten-kann-den-eher-holt-der-sensemann/