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Einladung der Mayo-Klinik

Freitag, 23. September 2016
Einladung der Mayo-Klinik

Ich bin im fünften Monat meiner geriatrischen Ausbildung. Das ist ein guter Zeitpunkt, um mich nach den nächsten beruflichen Schritten als Arzt umzublicken; in etwas mehr als sieben Monaten ist meine Weiterbildung beendet, und ich bin dann sowohl ein Internist als auch ein Geriater. Es eröffnen sich mir hierdurch weitere und neue Möglichkeiten, und so erhielt ich zum Beispiel jüngst ein Stellenangebot in der Geriatrie bei meinem derzeitigen Arbeitgeber an der Vanderbiltuniversität, neben einigen anderen bei vorherigen Arbeitgebern in Florida, Minnesota, Nord- und Süddakota.

Durch Verbindungen in das Mayo-Klinik-Gesundheitssystem kam mir jedoch auch die Möglichkeit einer weiteren ärztlichen Ausbildung zu Ohren, und ich bewarb mich. Die Stelle klang spannend, meine Neugierde ist sehr groß ist, und ich halte sehr viel vom Mayo-Klinik-Gesundheitswesen und dem Bundesstaat Minnesota; Details kann ich gegebenen­falls ein andermal schildern.

Der Bewerbungsprozeß war, typisch Mayo-Klinik, enorm. Er dauerte fast zwei Monate, ist aber nun abgeschlossen mit dem Einreichen der letzten Dokumente wie drei Empfehlungsschreiben, einem Aufsatz über meine persönlichen Ziele, Staatsexaminaergebnisse und meinem auf den neuesten Stand gebrachten Lebenslauf. So hat man mich zum Vorstellungsgespräch eingeladen für Mitte September, und nach einer Medizinerkonferenz in Cleveland fahre ich die 1.000 km weite Strecke nach Rochester in Minnesota, jener mittelgroßen Stadt, die Weltruhm hat.

Etwas überrascht bin ich von den Reaktionen meiner Umwelt; manche meiner Kollegen behandeln mich, als hätte ich die Einladung zu einer königlichen Audienz erhalten. Ein Oberarzt erzählte meinen Patienten, dass ich „an die Mayo-Klinik eingeladen worden sei“ und man lauter solche Ärzte an Vanderbilt habe, ein anderer bat mich, mit ihm in Kontakt zu bleiben, falls ich angenommen würde (was für mich so klang, als sollte ich nicht mit ihm in Kontakt bleiben bei Nichtannahme). Einige Medizinstudenten haben sich verstärkt an mich gewendet, einer hat mich schon mehrmals angeschrieben und um Bewertungen und Rückmeldungen über seine klinischen Fähigkeiten gebeten, buhlt förmlich um meine Aufmerksamkeit, scheint da auf Vernetzung mit Vorteil für sich selber zu hoffen. Nur der Chefarzt ist nicht sonderlich angetan, meinte nur auf meine Urlaubs­anfrage hin, dass „die Mayo-Klinik zwar gut sei, aber mehr Chancen an Vanderbilt bestehen“.

Diese positive Erregung erinnert mich daran, als ich noch meine mayo.edu-ePostadresse hatte, man mir auf Anfragen von diesem Konto aus stets umgehend antwortete und mich überall als „Arzt von der Mayo-Klinik“ vorstellte. Der Name glänzt weiterhin sehr stark, und ich bin nun gespannt auf mein Vorstellungsgespräch.