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Elektronische Krankenakten als Zeiträuber

Dienstag, 6. September 2016
Elektronische Krankenakten als Zeiträuber

Die Zeiten, in den Klinikärzte die Arztbriefe auf Tonband diktierten und Hausärzte ihre Befunde handschriftlich auf Karteien notierten, gehören der Vergangenheit an. Beide müssen sich heute nolens volens mit elektronischen Krankenakten herumschlagen. Der Zeitaufwand ist hoch, wie eine Untersuchung von Christine Sinsky von der American Medical Association zeigt.

Die Forscherin beobachtete 57 US-Ärzte aus vier Staaten bei der täglichen Arbeit. Im Arztzimmer verbrachten die Mediziner nur 27 Prozent der Zeit in direktem Gespräch mit dem Patienten. 49 Prozent der Zeit entfiel auf Schreibtischarbeit und die Pflege der elektronischen Krankenakte. Auch im Untersuchungsraum waren die Ärzte nur 53 Prozent der Zeit mit dem Patienten beschäftigt. Hier entfielen 37 Prozent der Zeit auf Schreibtischarbeit und das Bearbeiten der elektronischen Krankenakte. Die niedergelassenen Ärzte saßen nach dem Schließen der Praxis noch ein bis zwei Stunden täglich am Schreibtisch. Auch hier waren sie bevorzugt am Bildschirm mit der elektronischen Krankenakte beschäftigt.

Es besteht wohl kein Zweifel, dass die elektronischen Krankenakten viele Wege und vor allem Zeit sparen. Wer aber nicht aufpasst, kann den Patienten vor lauter Bürokratie schnell aus den Augen verlieren. Eine gute Praxisorganisation und bürokratisches „Geschick“ gehören deshalb fast schon zu den Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche ärztliche Tätigkeit.

Die American Medical Association und das American College of Physicians haben dies erkannt. Beide bieten mit STEPS Forward und Patients before Paperwork nützliche Tipps für Ärzte an - wenn sie denn vor lauter „Papierkrieg“, Verzeihung „iPaper-Krieg“ denn Zeit finden, sie zu studieren.

barabasch-riedel am Mittwoch, 7. September 2016, 09:53
Sag' ich doch seit jahren !
In 1992 legten wir uns ARCOS zu - für eine ganz normale, allerdings hochengagierte AllgemeinarztPraxis. Nach EINEM JAHR schon forderte ich zu einer wissenschaftlich-fundierten Untersuchung auf, den Zeit-Räuber-Effekt dieser "Technik" korrekt zu erfassen. Keiner machts, zu viel Lobbyisten und Räuber profitieren davon. Dank diesem Blog erfahre ich ERSTMALS, dass es diese Untersuchung nun gibt. Sie ist der Anfang einer ZWINGEND durchzuführenden weiteren UNTERSUCHUNGSREIHE darüber, wie durch dieses "IT-tool" ausschließlich Zeit VERGEUDET wird. Meint ein Prophet in der Wüste(nei des IT-Zeitalters),
Richard Barabasch