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Smartphone könnte Vorhofflimmern diagnostizieren

Dienstag, 30. August 2016
Smartphone könnte Vorhofflimmern diagnostizieren

Vorhofflimmern tritt bei vielen Patienten anfallsweise auf und ist deshalb oft nur mit hohem technischen Aufwand zu diagnostizieren. Wenn der Patient Pech hat, bleibt auch ein Langzeit-EKG ohne Ergebnis. Einige Patienten nehmen den unregelmäßigen Herzschlag in Form von Palpitationen wahr oder meinen es zumindest. In Zukunft können sie dann ihr Smartphone auf den Brustkorb legen und die Unregelmäßigkeit ihres Herzschlags selbst aufnehmen.

Die technischen Voraussetzungen sind in den meisten Geräten vorhanden, erklärte Tero Koivisto, stellvertretender Leiter eines Technikforschungszentrums an der Universität Turku in Finnland auf der Jahrestagung der European Society of Cardiology in Rom. 

Moderne Smartphones sind mit einem Beschleunigungsmesser und einem Gyroskop ausgestattet, die kleinste Erschütterungen des Geräts wahrnehmen. Auf den Brustkorb gelegt sind sie in der Lage, die „seismischen“ Wellen aufzuspüren, die der Herzschlag im Brustkorb erzeugt. Koivisto hat einen Algorithmus entwickelt, der zur Diagnose des Vorhofflimmerns genutzt werden könnte.

Ein erster Test an 16 Patienten mit Vorhofflimmern und 20 gesunden Kontrollen erzielten eine Sensitivität von 98,5 Prozent und eine Spezifität von 95,2 Prozent. Die Fehlerrate lag nur bei 4,95 Prozent. Die Software könnte laut Koivisto auf den meisten Smartphones betrieben werden und sie käme ohne Zusatzgeräte aus. Auf weitere klinische Tests kann man nur gespannt sein.