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Oben rein, vorne raus – eine Magenpumpe gegen Adipositas

Mittwoch, 15. Juni 2016
Oben rein, vorne raus – eine Magenpumpe gegen Adipositas

Not macht bekanntlich erfinderisch. Und die Adipositas-Epidemie ist offenbar eine Notlage, die nach neuen Lösungen schreit. Nur so ist es zu erklären, dass die US-Arzneibehörde FDA jetzt ein „Device“ zugelassen hat, das frühere Generationen wohl mit ungläubigem Kopfschütteln zur Kenntnis genommen hätten.

Mit dem „AspireAssist“ können Fresssüchtige, der Ausdruck sei hier erlaubt, sich künftig der zugeführten Nährstoffe entledigen, bevor diese vom Darm resorbiert und im Fettgewebe abgelagert werden. Man fühlt sich zwangsläufig an eine Episode aus Monty Pythons „Der Sinn des Lebens“ erinnert. Hätte das Gerät des Herstellers Aspire Bariatrics den tragikomischen Tod von Mr. Creosote am Ende verhindern können?

„AspireAssist“ ist jedoch keine Satire, sondern ein ernst gemeintes Medizinprodukt. Es kombiniert eine perkutane endoskopische Gastronomie (PEG) mit einer Saugpumpe, die den Inhalt des Magens, wenn der Magensaft die Speisen vorverdaut hat, wieder nach außen befördert. Adipöse Menschen können sich dann nach einem opulenten Mahl für kurze Zeit entschuldigen, um sich auf der Toilette des Speisebreis zu entledigen. Man könnte dies als eine Variante der Bulimie bezeichnen, wobei diese Essstörung ausdrücklich als Kontraindikation genannt wird.

Für alle Menschen mit krankhafter Adipositas ist die Magenpumpe jedoch eine Möglichkeit, das Körpergewicht zu regulieren. Der Hersteller konnte die FDA in einer Studie an 111 Patienten von der Sicherheit und Effektivität überzeugen. Ein Jahr nach Anlage der PEG, die während einer Endoskopie und unter Lokalanästhesie möglich ist, hatten die Probanden ihr Körpergewicht um durchschnittlich 12,1 Prozent reduziert, während 60 Personen einer Kontrollgruppe durch Diäten nur 3,6 Prozent verloren.

Ganz so unproblematisch, wie der Hersteller das Produkt im Internet inzwischen auch für deutsche Patienten preist, dürfte die Saugpumpen-PEG jedoch nicht sein. Die FDA hat die Zahl der „Zyklen“ vorsorglich auf 115 begrenzt. Danach müssen die Patienten das Gerät bei ihrem behandelnden Arzt überprüfen lassen, um die Lage des PEG zu kontrollieren.

Nach erfolgreicher Gewichtsreduktion könnte sich die Position der Spitze im Magen verschieben und an der Magenwand festsaugen. Im Übrigen hat sich das Gerät jedoch als sicher erwiesen. Die Risiken und Nebenwirkungen entsprechen weitgehend der konventionellen PEG-Anlage. Bei der Anwendung könne es zusätzlich zu Verdauungs­störungen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Durchfall kommen, teilt die FDA mit.