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Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da (Teil 1)

Donnerstag, 21. April 2016
Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da (Teil 1)

Neulich verlinkte einer meiner Facebook-Kontakte ohne weiteren Kommentar folgenden Artikel:

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/krefeld/unfalltod-staatsanwalt-ermittelt-aid-1.2888395

Weiterhin verlinkte er folgenden Artikel:

http://www.wz.de/lokales/krefeld/tod-einer-aerztin-verstoesse-bei-arbeitszeiten-aufgedeckt-1.1252041

Ich lachte kurz und erinnerte mich an meinen Gemeinschaftskundelehrer, der in sochen Momenten zu fragen pflegte: "Warum lachen wir?", nur um die Antwort selbst nachzuliefern: "Damit wir nicht weinen müssen."

Zugegeben, ich wurde hier auf einen gar nicht aktuellen Fall aufmerksam (was ich erst später bemerkte. Aber: "Ein höherer vierstelliger Betrag"???

Das Lachen in den entsprechenden Etagen des betroffenen Klinikums wird einen anderen Charakter gehabt haben. Der finanzielle Gewinn gegenüber einem Dienstsystem mit garantierter Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes sollte um ein vielfaches höher liegen. Für welche Öffentlichkeit werden solche Bußgelder erlassen? Solange der Profit die Buße übersteigt, werden Unternehmen gegen Bestimmungen verstoßen. Wenn man nun einlenkt, investiert man ins Image.

Was das Nachtdienstsystem angeht, kann ich mir eine Rückkehr nach Deutschland nicht mehr vorstellen. In den bisherigen Häusen, die ich in der Schweiz kennengelernt habe, war es nämlich so, dass es reine Nachtdienste gab. D.h. man kommt am Abend zur Arbeit und geht morgens. Das wiederholt sich bis zu sieben Tage hintereinander und danach kompensiert man bis zu einer Woche.

Natürlich wäre das auch in Deutschland möglich, nur bräuchte es dafür pro Team einen Arzt mehr, weil zwar auch immer nur ein Arzt frei hat, aber im Gegenzug der Nachtarzt tagsüber fehlen würde. Das Gegenargument, dass man den Assistenzärzten mit einem solchen System eine Zusatzverdienstmöglichkeit raubt, kann ich aus zwei Gründen nicht nachvollziehen.

Einerseits führen die Nachtdienste meines Erachtens zu keiner ausreichenden Einkommensverbesserung. Wer wie ich einmal im industriellen Schichtbetrieb gearbeitet hat, wird andere finanzielle Anreize kennen. Wer die langen Gesichter von Kollegen gesehen hat, die nach vielen Diensten ihre Lohnabrechnung sehen wird das erst recht bestätigen. Zudem sollte man auch die bezahlten Kompensationszeiten in die Rechnung einbeziehen. Wer eine Woche lang im reinen Nachtdienst (welcher ja auch mit Zuschlägen behaftet wäre) arbeitet und dann eine Woche frei hat, kommt nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell deutlich besser weg.

Stellte erst später fest, dass der Artikel nicht ganz aktuell ist,

Euer Anton Pulmonalis