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Zufrieden im neuen Jahr

Dienstag, 29. Dezember 2015
Zufrieden im neuen Jahr

„. . . sowie Glück und Zufriedenheit im neuen Jahr.“ So oder so ähnlich lauten viele guten Wünsche, die zum Jahreswechsel versandt werden. Was aber ist Glück? Möglicherweise verstehen Absender und Empfänger der Karten und Mails unter einem glücklichen Leben nicht dasselbe. Dass Geld allein nicht glücklich macht, hat man gehört. Die Glücksforschung bestätigt es. Ansonsten müsste der Anteil der glücklichen Menschen in den reichsten Industriestaaten besonders hoch sein.

Aber dass Glück eine berufliche Dimension besitzt, lässt sich wohl kaum bestreiten. Doch was lesen wir beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung? „Es gibt bis heute keine allgemein anerkannte Definition, was Arbeitszufriedenheit überhaupt ist.“ Das hat Wissenschaftler des DIW aber nicht davon abgehalten, dazu in diesem Jahr auf der Basis der Daten des sozioökonomischen Panels (SOEP) eine Studie zu verfassen. Das eindeutige Ergebnis: „Die allermeisten Erwerbstätigen bewerten ihre berufliche Tätigkeit positiv; nur jeder Achte ist mit ihr unzufrieden.“

Auf einer Skala von 0 (sehr unzufrieden) bis 10 (sehr zufrieden) vergeben die Arbeitnehmer im Durchschnitt eine 7,1. Die Selbständigen sind sogar noch zufriedener (7,3). Bemerkenswert daran ist, dass es keine wesentlichen Unterschiede gibt zwischen Männern und Frauen, zwischen Ost und West. Nicht einmal die Gewerkschaften finden Argumentationshilfe. Denn Sonntags- oder Nachtarbeit mindert das Ausmaß der Zufriedenheit nicht. Geringverdiener sind zwar nicht ganz so zufrieden wie gut bezahlte Arbeitnehmer, aber groß sind die Unterschiede nicht. Einzige Ausnahme: Unter Arbeitslosen, die einen Minijob haben, und bei Leiharbeitern ist der Anteil Unzufriedener größer.    

Zu diesen Ergebnissen passt die trotz großer Arbeitsbelastung durchaus große Berufszufriedenheit von Ärztinnen und Ärzten. Zahlreiche Studien belegen, dass sie sich in hohem Maße mit ihrem Beruf identifizieren. Der Ärztemonitor 2014 von Kassen­ärztlicher Bundesvereinigung und NAV-Virchow-Bund beispielsweise zeigte, dass nahezu alle Niedergelassenen gern arbeiten. Und 88 Prozent stimmten der Aussage zu: „Ich bin mit meiner Arbeit zufrieden.“

Weder bei diesen Ergebnissen noch bei den Zahlen für alle Erwerbstätigen gab es im Laufe der letzten Jahre große Veränderungen. Es spricht daher einiges dafür, dass auch 2016 die meisten Menschen zumindest mit ihrer Arbeit zufrieden sein werden. Sollte man also nur noch den notorischen Nörglern und Pessimisten „Zufriedenheit“ wünschen? Sie und alle anderen wissen selbst am besten, was sie zufrieden und glücklich macht. Dafür sollten sie sich im neuen Jahr Zeit nehmen.