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Die nächste Weiterbildung, Teil I

Freitag, 21. August 2015
Die nächste Weiterbildung, Teil I

Mittlerweile bin ich in meinem vierten Berufsjahr als Facharzt und dadurch ist eine gewisse Routine eingekehrt. Viele Krankheitsbilder habe ich entweder schon selber behandelt oder zumindest mit Kollegen intensiv über ihre Behandlung gesprochen, diverse Komplikationen erlebt beziehungsweise überraschend schlechte Verläufe leider beobachten müssen. Jeder Tod und jede Komplikation belasten mich zwar weiterhin, aber mittlerweile weiß ich auch wie ich damit umzugehen habe und meine Frustrationen und Trauer verarbeite.

Das ist jetzt genau diese Phase, in der viele meiner gleichaltrigen Kollegen vor allem ihr Privatleben ausbauen und zum Beispiel ihr Eigenheim errichten, ihre Familie vergrößern (in den USA heiraten viele Ärzte zumeist schon im Medizinstudium oder als Assistenzarzt) oder ihren Freizeitaktivitäten und Leidenschaften nachgehen. Doch manche suchen nach neuen beruflichen Herausforderungen und streben, wie in meinem Fall, eine weitere fachärztliche Weiterbildung an.

In den USA wird das als Subspezialisierung beziehungsweise vertiefte Weiterbildung („fellowship“) bezeichnet. Für einen Allgemeininternisten stehen hierfür knapp 20 solcher Weiterbildungsfächer zur Verfügung und man kann sich via einer zentralen Stelle, dem „elektronischen Weiterbildungsbewerbungssystem“ (ERAS), welches vom „amerika­nischen Verband der Medizinfakultäten“ (AAMC) verwaltet wird, für eine bestimmte Fachrichtung bewerben wie zum Beispiel Palliativ-, Intensiv- oder Kopfschmerzmedizin, Endokrinologie oder Gastroenterologie, wie https://services.aamc.org/eras/erasstats/par/ aufzeigt.

Im Regelfall bewirbt man sich ein Jahr vor Beginn der Weiterbildung, die zum 1. Juli des Folgejahres startet und, je nach Fachrichtung, eine Ausbildungslänge von einem Jahr bis zu fünf Jahren umfasst.

Für einen Facharzt wie mich bedeutet das naturgemäß eine deutliche Umstellung des Arbeitsumfeldes: Statt autonom zu arbeiten, bin ich wieder in einer Oberarzt-Assistenz­arzt-Hierarchie eingebunden, muss viele Therapien im Vorfeld abklären anstatt alleine zu entscheiden und meinen Arbeitstag viel stärker an den Vorstellungen meiner Vorgesetzten entlang ausrichten. Außerdem wird meistens geforscht, und die Arbeitszeit ändert sich, oft zunehmend. Weiterhin sinkt das Einkommen von dem eines Facharztes, das zumeist bei 150.000 bis 200.000 US-Dollar liegt, auf das eines Assistenzarztes, also 60.000 US-Dollar pro annum, ab. 

Doch all das sind in meinen Augen nur kleine Unannehmlichkeiten und mich reizt der Gedanke der Weiterbildung sehr, und so bewerbe ich mich derzeit für eine Stelle als Geriater. Natürlich habe ich schon insgeheim einen Favoriten, werde mich aber bei diversen Lehrkrankenhäusern bewerben wie im nächsten Blogtext detaillierter dargestellt.