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Täter gesucht: Hundekot

Freitag, 24. Juli 2015
Täter gesucht: Hundekot

Man bot mir im Juli mehrere Arbeitsstellen in Süd- und Norddakota, jenen flächenmäßig großen, aber dünn besiedelten Bundesstaaten in der nördlichen Mitte der USA an. Ich sollte unter anderem an einem Krankenhaus in Sioux Falls in Süddakota, in Fargo in Norddakota und ggf. in der Landeshauptstadt Süddakotas, dem malerisch gelegenen Pierre, arbeiten.

Sollte ich diese Stellen annehmen, dann stellt sich mir die Frage ob ich nicht zeitweise meinen Wohnsitz von der Millionenmetropole Minneapolis in die Kleinstadt Pierre aus logistischen Gründen verlegen sollte. Also machte ich mich auf eine erste – virtuelle – Wohnungssuche und stieß auch sogleich auf einige verfügbare Wohnungen.

Nun fand ich unter anderem eine als „Luxuswohnungskomplex“ bezeichnete Anlage und schaute sie mir im Internet etwas näher an, http://www.apartments.com/prairie-vista-apartments-pierre-sd/k3rffmb/. Dabei fiel mir der seit letztem Jahr zunehmend anzutreffende Trend auf, Hunde-DNS in solchen Mietwohnungen in einem Register zu sammeln, um „zu gewährleisten, daß jeder seinen Teil dazu beiträgt das Grundstück sauber zu halten“, wie es auf der Internetseite hierzu heißt. Was vor wenigen Jahren eingeführt wurde, um bestimmte Krankheiten und Rassefragen bei Hunden mittels einer DNS-Probe (oft via Maulabstrich entnommen) zu klären, wird zunehmend zur Überwachung genutzt, um also Haustierhalter zu überführen wenn sie zum Beispiel nicht die Kothaufen ihrer Haustiere aufgehoben beziehungsweise entsorgt haben.

Es ist perfide – findet man einen nicht sachgerecht entsorgten Kothaufen vor, entnimmt man diesem eine Probe zwecks DNS-Überprüfung, gleicht das Ergebnis dann mit der eigenen Datenbank ab und verwarnt den Hundebesitzer, oft wird dann eine dreistellige Verwaltungs- und ggf. Entsorgungsgebühr in Rechnung gestellt. Übrigens werden Haustierbesitzer mittlerweile dazu genötigt selbst bei bestehenden Mietverträgen DNS-Proben abzugeben, dabei oft eine 200-US-Dollar-Gebühr verlangend (der DNS-Test selber kostet zwischen 50 und 100-US-Dollar); wenn der Besitzer sich weigert, wird der Mietvertrag nicht verlängert bzw. nicht ausgestellt.

Das alles hatte wenig mit meiner Arztstelle und Wohnungssuche zu tun, aber dass selbst in entlegenen Gegenden wie Pierre eine derart detaillierte Überwachung durchgeführt wird, überraschte mich dann doch. Ist das Freiheit à la américaine?

Practicus am Mittwoch, 29. Juli 2015, 23:21
ist doch fantastisch
und sollte hier in D auch gleich bei der Anmeldung eines Hundes gemacht werden - das wäre eine nützliche Verwendung der Hundesteuer! 100 Hundekotbeutel kosten nicht mal einen Euro, 200 Euro fürs Liegenlassen eines Haufens wären angemessen.
Meine Praxis hat einen ebenerdigen, direkten Zugang von der Strasse - das erklärt vieleicht einiges!