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Tango für Parkinsonpatienten

Mittwoch, 22. April 2015
Tango für Parkinsonpatienten

Für alle Parkinson-Patienten, denen die konventionelle Krankengymnastik zu langweilig ist, hat Silvia Rios Romenets, eine Neurologin vom Montreal Neurological Institute and Hospital mit (dem Namen nach zu urteilen) argentinischen Wurzeln, ein spezielles Rezept. Der Nationaltanz ihrer Heimat könnte den Patienten im Frühstadium der Erkrankung helfen, ihren Gleichgewichtssinn zu schulen und ihre funktionelle Mobilität zu verbessern. Tango trainiere rhythmische Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen, die für Parkinson-Patienten mit ihren typischen „Anlaufschwierigkeiten“ und dem „Einfrieren" von Bewegungen günstig seien. Und die Neigung der Patienten, nach hinten zu fallen, werde durch die Balance-Schritte beim Tango gemindert.

Die Ergebnisse einer kleinen randomisierten Studie geben der Neurologin Recht. Insgesamt 18 Patienten erhielten über 12 Wochen Unterricht von professionellen Tanzlehrern, während die anderen 15 Patienten die üblichen krankengymnastischen Übungen absolvierten. Es war natürlich nicht zu erwarten, dass sich die motorischen Symptome deutlich verbessern. Die Hoffnung, dass Tango das Fortschreiten der degenerativen Erkrankung aufhalten könnte, wäre sicherlich vermessen. In einzelnen motorischen Parametern meint Romenets jedoch einen Vorteil des Tanzens entdeckt zu haben.

Auch die kognitiven Störungen hätten sich gebessert, berichtet die Neurologin. Sie führt dies auf die geistigen Anforderungen beim Tanz zurück. Immerhin müssten sich die Patienten die nicht ganz einfache Schrittfolge merken und dann mit dem Rhythmus der Musik koordinieren. Apropos Musik. Die Melodien des Tangos gehen nicht nur ins Ohr, sie schaffen laut Romenets auch eine Verbindung zum Dopaminsystem, dessen Mangel (in der Substantia nigra) den Beginn der Erkrankung markiert. Die günstigen Ergebnisse der Studie könnten aber auch einen ganz banalen Grund haben. Die Teilnahme am Tanzunterricht war sicherlich interessanter als die trockenen krankengymnastischen Übungen. Die Patienten könnten besser motiviert sein und deshalb mehr trainieren.