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Kontrolle des Krankenhauspersonals

Donnerstag, 17. Juli 2014
Kontrolle des Krankenhauspersonals

Mein derzeitiges Krankenhaus hat sich ein neues Ziel gesetzt: Sie möchte einen Rückgang der von Krankenhauspersonal übertragenen Infektionen durch vermehrte Händedesinfektion erreichen. Seit vielen Jahren sind sogenannte „vermeidbare” Erkrankungen in den USA ins Visier geraten, also vor allem ventilationsbedingte, postoperative, harn- und zentralvenenkatheterassoziierte Infektionen. Nun also sollen durch Krankenhauspersonal übertragene Erkrankungen ebenfalls angegangen und ihre Häufigkeit verringert werden.

Doch was eigentlich ist eine personalbedingte bzw. -übertragene Infektion und wodurch wird sie übertragen? Das ist schwer im Detail zu beantworten und deshalb wurde von meiner Krankenhausverwaltung jede im Krankenhaus entwickelte Infektion als „potenziell personalbedingt” und „jeder Patientenkontakt” als potenzielle Quelle angesehen.

Doch wie kann der Patientenkontakt minimiert werden ohne die Patientenversorgung zu gefährden? Soll nun jede Person mit Atemmaske und Handschuhen das Patientenzimmer betreten oder eine Desinfektionsschleuse vor jedem Zimmer eingebaut werden? Mit anderen Worten: Wie kann man einen Rückgang der Infektionsquoten von beispielsweise 30 Prozent erzielen, ohne großen Aufwand betreiben zu müssen?

 Mit diesen Fragen beschäftigten sich viele Administratoren viele Monate lang, man holte Gutachten ein und kam zu dem Schluss, die Handhygiene zu verbessern. Das klingt einleuchtend und ist leicht in der Umsetzung. Denn klar ist, dass vor allem die besonders resistenten Bakterien wie MRSA, ESBL-produzierende Organismen oder der Einzeller Clostridium difficile oft bei schwerwiegenden Erkrankungen und komplizierten Patientenverläufen beteiligt sind und zum Teil vom Krankenhauspersonal via Händekontakt übertragen werden. Entsprechend soll das Krankenhauspersonal sich nun sowohl vor als auch nach jedem Patientenkontakt die Hände mittels Desinfektionsmittel und ggf. Seife und Wasser reinigen, um die Übertragungsquote zu senken.
Schulungen wurden hierfür durchgeführt, Rundbriefe versandt, elektronische Nachrichten auf unseren Bildschirmen präsentiert, die in den USA stets sehr beliebten „Einsatzgruppen” und „Komitees” berufen et cetera. Doch wie eine Statistik herausfand, lag die Händedesinfektionsquote immer noch bei mageren 50 bis 60%, also weit entfernt von der Zielquote von 80%. Die Ärzte schnitten übrigens größtenteils als Berufsgruppe schlecht ab.

Vertrauen ist gut, Kontrolle bekanntermaßen besser, also möchte die Verwaltung das Personal nun kontrollieren. Man hatte eine Zeit lang über Videokameras gesprochen, dann über elektronische Geräte nachgedacht, sich aber am Ende für von extern angeheuerte Kontrolleure – wortwörtlich „Dritteinkäufer”, „third shopper” genannt – entschieden. Sie sollen in einem mehrwöchigen Zeitraum außerhalb der Patientenzimmer auf Station stehen und unauffällig, wie es heißt, den Anteil des Personals überprüfen, das Desinfektionsmittel sowohl vor Betreten als auch nach Verlassen des Patientenzimmers benutzt. Niemand wird angezeigt, niemand angesprochen, aber alleine von der Anwesenheit dieser Personen erhofft sich der Krankenhausbetreiber eine deutliche Verbesserung der Händedesinfektionsrate.

Mehrmals wöchentlich sollen die Ergebnisse aufgeschlüsselt auf zentralen Personalbildschirmen und auf unseren Rechnern dargestellt werden. Am Ende werden wir sicherlich einen Abschlussbericht erhalten und natürlich werden die einzelnen Berufsgruppen aufgeschlüsselt. Das Ziel, dass mindestens bei 80 Prozent aller Patientenkontakte Desinfektionsmittel benutzt wird, soll bis zum Herbst erreicht sein. Übrigens sprechen böse Zungen mittlerweile davon, dass bei Erreichen der 80-Prozent-Quote in einigen Monaten eine 95-Prozent-Quote als Ziel eingeführt werden soll.Erkrankungen und komplizierten Patientenverläufen beteiligt sind und zum Teil vom Krankenhauspersonal via Händekontakt übertragen werden. Entsprechend soll das Krankenhauspersonal sich nun sowohl vor als auch nach jedem Patientenkontakt die Hände mittels Desinfektionsmittel und ggf. Seife und Wasser reinigen, um die Übertragungsquote zu senken.

Schulungen wurden hierfür durchgeführt, Rundbriefe versandt, elektronische Nachrichten auf unseren Bildschirmen präsentiert, die in den USA stets sehr beliebten „Einsatzgruppen” und „Komitees” berufen et cetera. Doch wie eine Statistik herausfand, lag die Händedesinfektionsquote immer noch bei mageren 50 bis 60%, also weit entfernt von der Zielquote von 80%. Die Ärzte schnitten übrigens größtenteils als Berufsgruppe schlecht ab.

Vertrauen ist gut, Kontrolle bekanntermaßen besser, also möchte die Verwaltung das Personal nun kontrollieren. Man hatte eine Zeit lang über Videokameras gesprochen, dann über elektronische Geräte nachgedacht, sich aber am Ende für von extern angeheuerte Kontrolleure – wortwörtlich „Dritteinkäufer”, „third shopper” genannt – entschieden. Sie sollen in einem mehrwöchigen Zeitraum außerhalb der Patientenzimmer auf Station stehen und unauffällig, wie es heißt, den Anteil des Personals überprüfen, das Desinfektionsmittel sowohl vor Betreten als auch nach Verlassen des Patientenzimmers benutzt. Niemand wird angezeigt, niemand angesprochen, aber alleine von der Anwesenheit dieser Personen erhofft sich der Krankenhausbetreiber eine deutliche Verbesserung der Händedesinfektionsrate.

Mehrmals wöchentlich sollen die Ergebnisse aufgeschlüsselt auf zentralen Personalbildschirmen und auf unseren Rechnern dargestellt werden. Am Ende werden wir sicherlich einen Abschlussbericht erhalten und natürlich werden die einzelnen Berufsgruppen aufgeschlüsselt. Das Ziel, dass mindestens bei 80 Prozent aller Patientenkontakte Desinfektionsmittel benutzt wird, soll bis zum Herbst erreicht sein. Übrigens sprechen böse Zungen mittlerweile davon, dass bei Erreichen der 80-Prozent-Quote in einigen Monaten eine 95-Prozent-Quote als Ziel eingeführt werden soll.

ediestel am Samstag, 4. Oktober 2014, 05:34
Typische Beschreibung
So wie beschrieben ist es in den USA üblich.

Persönlich habe ich mal den Vorschlag gemacht neben jeder Tür einen Spender mit Desinfektionsmittel aufzuhängen. Es war mir schon vorher klar, das ich mit diesem Vorschlag den 'Ruhm und die Ehre des deutschen Volkes' in Amerika leichtfertig aufs Spiel setzen würde. ( in Amerika ist 'Deutschland' natürlich letzlich nur ein Wort, und heisst so viel wie 'nicht amerikanisch')

Vom deutschen Gedankengang her ist es sehr, sehr schwer zu verstehen wie der 'Amerikaner' Authoritaet und Hierarchie behandelt. Ich bin mir aber keineswegs sicher, dass die deutsche Art, so wie mir bekannt, per se besser ist

Wenn ich an deutsch Krankenschwestern denke, bevorzuge ich die deutsche Art,
wenn ich an das Chefärzte denke, bevorzuge ich die amerikanische Art.

Go figure.
dr.med.thomas.g.schaetzler am Mittwoch, 23. Juli 2014, 22:44
Gibt es in den USA etwa keine Krankenhaus-Patienten und -Besucher?
Auch Patienten, Begleitpersonen und Besucher sind gefragt! Oftmals ungeduscht und ungewaschen bzw. n i c h t auf gewaschene oder ungewaschene Kleidung, kurz geschnittene Finger- bzw. Fußnägel untersucht, bevölkern sie die Klinikflure, die Cafeteria, den Klinikeingang und die Anmeldetresen, um dann in die Kernzonen nosokomialer Infektionsrisiken vorzudringen: In die Stationen, Krankenzimmer, zu ihren kranken Angehörigen, in die Räume der Stationsmitarbeiter, in die Funktionsbereiche und Nasszellen auf der Suche nach Blumenvasen und in die Besucher-Toiletten.

Schlecht informierte Patienten- und Besucherkreise nutzen nicht v o r, sondern erst n a c h Abschluss ihres Arzt- und Klinikbesuches kostenlos zur Verfügung gestellte Desinfektionsmittel. Weil sie ausschließlich befürchten, erst i n n e r h a l b der Klinikmauern gefährliche Keime zu erwerben. Doch sie fragen sich nie selbst, ob ihre durch Hundekot und Straßendreck verschmutzten Schuhe, eigene Hygienemängel, überlang gestylte Fingernägel oder Haus- und Nutztierhaltung bzw. eigene krankheitsbedingte Infektiositäten nicht auch zur Problematik z u s ä t z l i c h e r Krankenhausinfektionen beitragen könnten?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
vgl. „Schätzlers Schafott“ http://www.springermedizin.de/hygiene-das-sind-immer-die-anderen/5189274.html
kara-2 am Freitag, 18. Juli 2014, 10:52
Kontrolle des Krankenhauspersonals
Was nutzen alle Kontrollen, wenn sie auf die Hände beschränkt sind. Beispiel: Arzt desinfiziert seine Hände vor Patientenkontakt. Danach erfolgt im Patientenzimmer ein Verbandswechsel und ohh, ein Anruf auf dem Handy. Handy wird aus der Kitteltasche genommen und telefoniert. Nach dem Anruf wieder Griff an die Wunde - ohne nochmals die Hände zu desinfizieren - beim Zimmerverlassen natürlich wieder Händedesinfektion. Wer prüft nun das Handy auf Keime? Im Normalfall werden nur Hände überprüft. Da nützt auch der beste Kontrolleur nichts.