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Probleme mit der Feriendialyse

Donnerstag, 10. Juli 2014
Probleme mit der FeriendialysePaul Behrend ist mit Urlaubsvorbereitungen beschäftigt. In diesem Jahr will er mit seiner Frau irgendwohin fahren, „wo es warm ist“. Sie hätten sich für eine Flugreise nach Portugal entschieden, weil dort Verwandte von ihnen leben. Leider gebe es aber an der Atlantikküste keine Angebote an Feriendialysen. Man dialysiere dort nur in Krankenhäusern und mit denen sei es äußerst schwierig, in Kontakt zu treten. „Ich habe es selbst versucht und war leider überhaupt nicht erfolgreich. Selbst meine Schwägerin, die fließend portugiesisch spricht, hat keine Antwort bekommen.“ Und wenn es dann doch mal zu einer Kontaktaufnahme gekommen sei, hätten die Kliniken immer ablehnend reagiert.

Behrend musste also nach einer anderen Möglichkeit der Dialyse im Urlaub suchen. Über eine Vermittlungsgesellschaft sei es ihm schließlich gelungen, in einer mittelgroßen Stadt in der Nähe von Lissabon einen Dialyseplatz zu finden. „Wir haben daraufhin einen Flug und eine Ferienwohnung gebucht. Und dann teilte man uns mit, dass es jetzt doch nicht klappt. Sie hätten so viele eigene Fälle, dass sie keinen Gast aufnehmen könnten.“ Daraufhin sei er zunächst einmal „über Tisch und Bänke gesprungen“, hätte sich anschließend aber wieder beruhigt, weil man ihm dann doch noch einen Ersatzplatz beschaffen konnte.

Darüber hat sich Behrend dann zwar gefreut, doch die Sache hat auch einen Haken: „Ich muss für jede Dialyse 30 Kilometer hin und 30 Kilometer wieder zurück fahren. Und das nicht über Autobahn, sondern über Landstraße. Ich bin natürlich froh, dass ich überhaupt etwas gefunden habe, aber das ist dann doch eher semioptimal, denn damit ist der Tag als Urlaubstag weitgehend verloren.“ Er könne dann höchstens abends noch essen gehen, aber für größere Aktivitäten sei er nach einem solch langen Dialysetag zu erschöpft. Dennoch: Die Vorfreude auf den Urlaub überwiegt. „14 Tage Atlantikluft. Das habe ich immer gern.“

Insgesamt fühlt sich Behrend in den meisten europäischen Ländern gut versorgt. „Ich bin sehr oft in Spanien gewesen und ein großer Fan von Italien. Da finde ich überall einen guten medizinischen Standard vor.“ Vor einer Fernreise schrecke er dagegen eher zurück. So müsse man beispielsweise in den USA von drei Dialysen eine selbst bezahlen, in anderen Ländern, wie beispielsweise Thailand, könne er sich zwar das Dialysieren sehr gut vorstellen, aber: „Wie ist es, wenn ich einen Shuntverschluss habe oder eine Infektion in der Einstichstelle und ein Krankenhausbesuch erforderlich wird? Findet man dann immer noch alles so wunderbar?“ Er sei sich da nicht so sicher und verzichte lieber auf solche Ziele, meint Behrend. Er kann sich allerdings vorstellen, an einer Kreuzfahrt mit Dialysemöglichkeit teilzunehmen.