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Darm­er­krank­ungen am Geruch erkennen

Freitag, 28. März 2014
Darm­er­krank­ungen am Geruch erkennen

Britische Forscher wollen Darm­er­krank­ungen künftig am Geruch der Faeces erkennen. Sie benutzen dazu allerdings nicht ihre Nase, sondern einen Gaschromatographen, der jene flüchtigen organischen Verbindungen analysiert, die bei Zimmertemperatur von den Faeces freigesetzt werden und für den Geruch verantwortlich sind.

Der „Odour Reader“, den das Team um Norman Ratcliffe von der University of the West of England in Bristol konstruiert hat, war in einer Pilotstudie in der Lage, ein Reizdarmsyndrom (Colon irritabile) von einer entzündlichen Darm­er­krank­ung (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) mit einer Genauigkeit von 76 Prozent zu unterscheiden. Das Ergebnis könnte Ratcliffe zufolge Ärzte bei der Differentialdiagnose helfen und kostspielige Zusatzuntersuchungen ersparen.

Dazu gehört die Endoskopie, die beim Reizdarmsyndrom unnötig ist, bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa jedoch für das weitere Vorgehen erforderlich ist. Britischen Forschern wird ein gewisses Faible für die Geruchsdiagnostik nachgesagt. In den letzten Jahren wurde wiederholt von Hunden berichtet, die Krebserkrankungen durch Beschnüffeln der Haut (Melanom), der Atemluft (Lungenkrebs) oder des Urins (Blasenkrebs) erkennen. Teil der Labordiagnostik ist diese Geruchsdiagnostik bisher nicht geworden.