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Bitte Stethoskope regelmäßig reinigen

Donnerstag, 6. März 2014
Bitte Stethoskope regelmäßig reinigen

Die Hände sind im Krankenhaus die häufigsten Überträger von Krankheitskeimen. Ärzte und Pflegepersonal haben deshalb in den letzten Jahren gelernt, sich vor jedem neuen Patientenkontakt die Hände zu reinigen. Das Stethoskop, das verlängerte Ohr des Arztes, ist von dieser Maßnahme bisher ausgenommen.

Didier Pittet, Infektiologe der Universität Genf und Leiter des dort ansässigen WHO Collaborating Centre on Patient Safety, hält dies für eine Sicherheitslücke. Die Membran des Stethoskops kommt während der medizinischen Visite mit der Haut einer Vielzahl von Patienten in Kontakt. Dabei wird es schnell mit Krankheitserregern kontaminiert, wie Pittet in einer Studie zeigen kann. Er ließ 83 Patienten von Ärzten untersuchen, die Handschuhe trugen und ein zuvor desinfiziertes Stethoskop benutzten. Nach der Untersuchung der einzelnen Patienten wurden bakterielle Abdruckkulturen von vier Regionen der Handschuhe sowie von der Membran und dem Schlauch des Stethoskops entnommen.

Die meisten Bakterien fanden sich erwartungsgemäß an den Fingerkuppen der Ärzte (467 aerobe Kolonien, ACC), doch auf Position 2 folgte mit 89 ACC bereits die Membran des Stethoskops, noch vor Thenar (37 ACC) und Hypothenar (34 ACC) der Hand. An vierter Stelle folgte der Schlauch des Stethoskops (18 ACC) noch vor dem Handrücken (8 ACC).

Auch multiresistente Staphylococcus aureus (MRSA) gelangen auf das Stethoskop. Nach der Untersuchung von MRSA-Trägern wurden 7 koloniebildende Einheiten (CFU) pro 25 cm2 nachgewiesen. Die Konzentration war auch hier höher als auf dem Thenar (4 CFUs/25 cm2). Pittet bittet die Ärzte deshalb, das Stethoskop doch lieber als die Verlängerung ihrer Hand zu betrachten und es regelmäßig vor der Benutzung zu desinfizieren.

dr.med.thomas.g.schaetzler am Montag, 10. März 2014, 15:42
Dein Stethoskop, das kontaminierte Wesen?
Die zitierte Schweizer Studie belegte nicht mehr und nicht weniger, dass der Kontaminationsgrad eines Stethoskops nach klinisch-physikalischer und auskultatorischer Untersuchung eines Patienten durchaus vergleichbar mit der Kontamination von Teilen der führenden Hand des/r untersuchenden Arzt/Ärztin war. Nicht wirklich überraschend, weil Ärzte s e l b s t ihr eigenes Stethoskop anfassen, an den Patienten heranführen und diesen berühren, ob mit oder ohne Untersuchungshandschuhe.

Didier Pittet, Yves Longtin et al. haben dies unter dem Titel "Contamination of Stethoscopes and Physicians' Hands After a Physical Examination" in den Mayo Clinic Proceedings (2014; 89(3):277-280) veröffentlicht. Dazu dramatisierte in einem "Editorial" Dennis G. Maki, MD, Infektiologe an der "University of Wisconsin in Madison"(WI/USA) mit dem Titel "Stethoscopes and Health Care-Associated Infection".

Denn kein professionell agierender Mediziner würde sein frisch gereinigtes Stethoskop in infizierte Wunden hineinhängen, um es dann bei weiteren Patienten über deren Körperöffnungen infektiös auspendeln zu lassen. Die intakte Haut des Brustkorbes ist eine stabile Abwehrbarriere gegenüber aggressiven Keimattacken, die eher theoretisch von angreifenden, kontaminierten Stethoskopen invasiv vermittelbar wären.

Potentiell kontaminierte Stethoskope sollten nicht unnötig angefasst und insbesondere nach Hautekzem- und Wundkontakt gereinigt und mit alkoholfreiem Octenisept® desinfiziert werden. Bitte keinen Alkohol verwenden! Das greift die Membranen und Kunststoff- bzw. Gummiringe an.

Aber was ist eigentlich mit Heerscharen keimtragender Patienten, Besucherinnen und Besucher, die Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Arztpraxen und medizinische Versorgungszentren heimsuchen? Diese kennen oft nicht mal elementare Hygiene-Regeln: "nach dem Klo und vor dem Essen - Händewaschen nicht vergessen"! Gelegentlich längere Zeit ungewaschen und ungeduscht, n i c h t auf sauber gewaschene oder keimtragende ungewaschene Kleidung, gesäuberte Haut und kurzgeschnittene Finger- bzw. Fußnägel untersucht, bevölkern sie Klinikflure, Cafeteria, das "Büdchen" am Klinikeingang und den Anmeldetresen diverser Arztpraxen, um dann in die Kernzonen nosokomialer Infektionsrisiken vorzudringen: In die Sprechzimmer, Krankenzimmer der Angehörigen, Räume der Stationsmitarbeiter, Funktionsbereiche und Besuchertoiletten.

Aufgeklärte Krankenhaus- und Praxisbesucher achten wegen der viel beschworenen Gefahr, erst i n n e r h a l b der Klinik- und Praxismauern gefährlichen Keime zu erwerben, darauf, sich erst n a c h Abschluss ihres Besuches umfänglich mit kostenlos zur Verfügung gestellten Desinfektionsmitteln allseits zu bestäuben und zu imprägnieren.

Das öffentliche Publikum ist i. d. R. fest davon überzeugt, n i e m a l s, auch nicht durch Hundekot und Straßendreck unter den Schuhsohlen, eigene Hygienemängel oder überlang gestylte Fingernägel, die beim Händewaschen ja nur abblättern würden, zur Problematik nosokomialer Krankenhaus- und Praxisinfektionen beigetragen zu haben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
ares am Montag, 10. März 2014, 11:25
Kratzen an der Nase, Wühlen im Haar
bei der Visite immer wieder zu beobachten, niesen in die hohle Hand und dann piept ein Alarm und Händedesinfektion war gestern...die Arzt-eigene Flora des Nasenrückens oder des Skalps wird dann zu der des Patienten mit dem Zusatz nosokomial. Dasselbe gilt für die sogenannten Giftschrankschlüssel, die von Hand zu Hand wandern. Händeschütteln zur Begrüßung..."aber wir haben das schon immer so gemacht...". Die Kittelärmel der Chefs, OÄ, Assistenten, Krawatten, Jackettärmelknöpfe, die auf den Patienten hängen, den Patienten berühren und dann den nächsten und den nächsten und...many many things to think about...