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Urlaub ohne Urlaubstage

Mittwoch, 8. Januar 2014
Urlaub ohne Urlaubstage

Mit meiner aktuellen Station bin ich relativ zufrieden. Ab und zu würde ich gerne mehr lernen und mich sinnvoller betätigen. Das sagt sich ziemlich leicht, aber ich weiß auch, dass man als Pjler immer ein bisschen in der Startposition steht. Da können schon mal längere Pausen vorkommen und dann kommt plötzlich eine Notfalloperation oder doch nur eine Blutentnahme, aber man weiß leider nie vorher, wie viel zu tun ist. An Weihnachten ist es noch spannender – oder auch nerviger, wie man es auch sehen mag – man pendelt als PJ-Student immer zwischen den beiden Extremen des Nichtstuns und der grenzwertigen Arbeitsüberladung.

Und je nachdem, wie der Oberarzt auf einer Station gelaunt ist, vergibt er viel Arbeit oder viele Pausen. Ich habe schon von einer Station der Inneren Medizin gehört, wo man in den Genuss von zwei Studientagen pro Woche kommen kann. Man braucht also nur drei Tage arbeiten und kann sich im Anschluss auf ein verlängertes Wochenende freuen.

Für mich klingt das wie der PJ-Himmel. Ich bin mir sicher, dass der Andrang groß wäre, wenn das bekannt wäre. Hier in der Chirurgie gibt es das in dieser Form nicht, außer in der neuro­chirurgischen Intensivstation, wo ich höchstwahrscheinlich auch hingehen werde. Eine andere
Möglichkeit bieten die PJ-Dienste, wo man für einen 24-Stunden-Dienst zwei Tage frei bekommt. An den Tagen vor und nach Weihnachten hätte sich bestimmt jeder diese Tage genommen, weil man sich das frei einteilen kann.

Leider haben sich manche PJler verrechnet, es wurde sozusagen eine Urlaubssperre auf manchen Stationen eingerichtet. Ich finde das sehr ärgerlich, aber es wird an solchen Tagen eben auch ein Student gebraucht, der einen Arzt zumindest teilweise vertreten muss, damit dieser Urlaub nehmen kann.

Und so haben sich einige geärgert, weil ihnen das passiert ist. Bei mir lief das zu meiner Freude genau in die andere Richtung, ich habe mehr Tage frei bekommen, als ich eigentlich wollte und war überglücklich mit zwei freien Wochen, für die nicht einmal Urlaub nehmen musste.

plaque am Freitag, 10. Januar 2014, 08:01
PJ-Himmel...
Das PJ-Paradies müsste dann doch konsequenterweise wöchentlich 4 "Studien"-Tage und einen Arbeitstag aufweisen? Tolles Modell: die Kliniken kassieren den PJ-Zuschuss, die PJler haben endlich Zeit zum Studieren, und der Aufwand von innerklinischen Lehrveranstaltungen wie PJ-Unterricht etc. entfällt. Und wer weiß, vielleicht könnte man für 10 solche PJler ja einen Assistenzarzt neu einstellen? Die Namensgebung würde ich fairerweise allerdings ändern von "Praktisches Jahr" mit "Studientag" auf "Studienjahr" mit "Praxistag". Und nach dem "SJ" dann willkommen in der Realität!