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Effektive Distanz: Flughäfen als Trampolin für Krankheitserreger

Mittwoch, 18. Dezember 2013
Effektive Distanz: Flughäfen als Trampolin für Krankheitserreger

Als die Menschen noch überwiegend zu Fuß unterwegs waren, breiteten sich Krankheitserreger kreisförmig aus, wie die Wellen eines ins Wasser gefallenen Steins. Schon damals wurden die Keime nicht mit Wind und Wetter weiter getragen, sondern durch Reisende und durch den Handel. Mit der Entwicklung moderner Verkehrsmittel ist die „Geometrie“ von Epidemien zunehmend komplexer geworden.

Die Pest des Mittelalters konnte von einem Hafen zum nächsten springen. Heute jetten Erreger mit dem internationalen Flugverkehr innerhalb weniger Tage von Kontinent zu Kontinent. Damit werden Berichte über schwere Atemwegserkrankungen in einem Hotel in Hongkong bereits wenige Tage später für die Gesundheitsbehörden in Toronto zu einem Problem, wie die Sars-Epidemie 2002/3 zeigte. Auch die Influenza A (H1N1) („Schweinegrippe“) breitete sich chaotisch aus.

Dirk Brockmann von der Humboldt-Universität zu Berlin hat jetzt zusammen mit Dirk Helbing von der ETH Zürich ein mathematisches Modell entwickelt, das Sars, H1N1 und vielleicht auch zukünftige Epidemien wieder auf den „Urzustand“ einer sich kreisförmig ausbreitenden Epidemie zurückführt. Kern ihres mathematischen Algorithmus ist die effektive Distanz. Sie misst den Abstand zwischen zwei Städten nicht mehr in Kilometern, sondern am Verkehrsaufkommen der Flughäfen.

Berlin wird so zu einem Vorort von Paris, London oder New York und dortige Krankheitsausbrüche können die deutsche Hauptstadt schneller erreichen als lokale Epidemien in der Landbevölkerung Brandenburgs.