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Der Arzt als Geldäffchen

Freitag, 29. November 2013
Der Arzt als Geldäffchen

Seit einigen Monaten erfreue ich mich außerordentlicher Beliebtheit, seitdem auf mir nicht ganz klare Art und Weise meine Kontaktinformationen an diverse Firmen weitergegeben wurden und diese erfahren haben, dass ich Arzt bin. So erhalte ich täglich diverse eBriefnachrichten, mehrmals wöchentlich Anrufe und immer wieder Post im Briefkasten: Kleine, aber vom Internet- und Broschürenaufwand her vor Geld scheinbar nur so strotzende Firmen wie zum Beispiel Merritt Hawkins (www.merritthawkins.com) oder Staff Care (www.staffcare.com), um pars pro toto zwei von vielen zu nennen, belagern mich regelrecht mit ihren ärztlichen Stellenangeboten.

Ihr Ziel ist es mich dazu zu bewegen, eines ihrer vielen Stellenangebote anzusehen und sie dann zu kontaktieren, um dieses zu besprechen. Sie sind Personalabwerber und machen nichts weiter als den Kontakt zwischen mir und einem potenziell zukünftigen Arbeitgeber herzustellen. Man könnte von asymmetrischer Informationsverteilung und hieraus bedingtem Firmenmodell sprechen, doch ist das in meinen Augen ein zu starker Begriff für etwas, dass ich respektlos als "Abzocke am Arzt", "Abzocke eines Krankenhauses im Rahmen des Arztmangels" beziehungsweise "Arzt als Geldäffchen" bezeichne.

Sie verdienen beträchtliche Summen, wie ich durch eigene Recherche und diversen direkten Gesprächen herausgefunden habe: Ein solcher Personalabwerber kassiert Geldbeträge zwischen 30.000 für die Vermittlung eines einzelnen Arztes. Manche Vermittler sind gar noch perfider und verdienen im Stundentakt am vermittelten Arzt, nämlich Summen um die 25 bis 40 US-Dollar für jede vom Arzt in einem Krankenhaus oder Praxis gearbeitete Stunde.

Der Arzt verdient zwar weiterhin ein gutes Gehalt, aber dadurch dass die Arbeitsstelle durch einen Mittelsmann erhalten wurde, wird das Geld nicht an den Arzt sondern eben an diesen Vermittler ausbezahlt, der dann seinen eigenen Teil abzwackt und dem Arzt den Restbetrag überlässt. Es muss in Zeiten engerer Budgets vor allem klar sein, dass dieses Geld letztlich vom Gesundheitssystem und dem Patienten entrichtet werden muss und bei der Diagnostik und Therapie fehlt.

Für dieses simple Geschäftsmodell wird wenig Logistik benötigt und wenn nur eine von 50 Anfragen zu einer Vermittlung führt, so ist der Verdienst beträchtlich und in meinen Augen unangemessen. Doch der Erfolg gibt den Firmen Recht, und die täglichen Anfragen nehmen kein Ende.