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Der Transplantationsskandal aus der Sicht eines Betroffenen

Freitag, 6. September 2013
Der Transplantationsskandal aus der Sicht eines Betroffenen

Paul Behrend belastet der Transplantationsskandal in mehrfacher Hinsicht. Einerseits wird ihm deutlich, dass seine eigenen Chancen auf ein Organ durch den massiven Spendenrückgang, der von dem Skandal beeinflusst ist, sich weiter nach hinten schieben. „Man überlegt sich dann immer wieder: Was hat der 20-prozentige Spendenrückgang jetzt für mich zu bedeuten?“ Auf der anderen Seite werde er durch die Berichterstattung regelmäßig daran erinnert, dass bei Transplantationen über die Organe von verstorbenen, bis zu ihrem Tod weitestgehend gesunden Menschen entschieden werde. „Das geht mir immer wieder durch den Kopf, und das bedrückt mich“, sagt Behrend.

Der zweite Punkt, der ihn belastet, ist, dass er vor dem Skandal immer die Einstellung gehabt habe: „Wenn es irgendwann zur Transplantation kommt, dann ist das ein Geschenk, aber wahrscheinlich kommt es nie dazu.“ Weiter habe er sich mit der Problematik gar nicht beschäftigt. Diese Einstellung habe sich aber in den letzten Monaten vollkommen verändert: „Ich denke jetzt häufig darüber nach, dass ich seit fast sieben Jahre zur Dialyse gehe.

Ich überlege, dass es Mitpatienten gibt, für die bereits nach fünf oder sechs Jahren ein passendes Organ gefunden wurde, und ich hoffe, dass es auch bei mir demnächst endlich mit der Transplantation klappt.“ Fast manisch achte er inzwischen darauf, dass er sein Handy dabei habe und dass es geladen sei. „Früher habe ich schon mal mein Handy ein ganzes Wochenende lang im Handschuhfach liegen gelassen. Das würde mir jetzt nicht mehr passieren.“

Ein kritischeres Verhältnis zur Transplantationsmedizin hat Behrend durch die Skandale nicht bekommen. In dem Transplantationszentrum, in dem er gemeldet sei, hätte er sowohl von den Ärzten als auch vom sonstigen Klinikpersonal einen hervorragenden Eindruck. Er ist überzeugt, „dass die einen sauberen Job machen und in keinster Weise tricksen. Dafür würde ich meine Hand auf den Amboss legen.“

Das Gleiche gelte auch für die Viszeralchirurgie in der Klinik. „Wenn Sie die Leute kennen und denen mal in die Augen sehen, dann sind Sie nicht mehr misstrauisch. Man muss dem Personal vertrauen, und das tue ich voll und ganz.“ Es seien ja letztendlich auch nur wenige Zentren in Verruf geraten. Und schwarze Schafe gebe es schließlich in allen Berufen. „Aber die meisten Menschen gehen ihrem Beruf ordentlich nach, und deshalb halte ich ein Grundmisstrauen auch nicht für angebracht“, betont Behrend.

Noram am Dienstag, 22. Oktober 2013, 10:01
Organspendeausweis
Es sollte endlich geregelt werden, dass mehr über dieses Thema gesprochen wird. Z. B. im Rahmen der Gesundheitsaufklärung in der Schule. Leider schneiden sich noch viel zu wenig Menschen den Organspendeausweis aus der Apothekenumschau aus...