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Unfallrisiko „Handy guck in die Luft“

Montag, 1. Juli 2013
Unfallrisiko „Handy guck in die Luft“

Wenn der Hanns zur Schule tingelt, in der Tasch‘ das Handy klingelt. Und mit dem Smartphone in der Hand, ist er vor die Wand gerannt. Es gibt sie wieder, die Kinder, Jugendlichen und auch Erwachsenen, die vor lauter Unaufmerksamkeit als Fußgänger verunglücken – wie der 14-jährigen Junge, der orientierungslos im Straßengraben landet und sich Brustkorb und Schulter schwer verletzt oder der 23-Jährige, der es unbemerkt auf den Mittelstreifen der Straße geschafft hat, bevor ihn ein Auto erfasst.

Kaputt ging nicht nur das Mobiltelefon, sondern auch die Hüfte. Zwei Fälle von schätzungsweise 1.500 Fußgängern, die in den USA im Jahr 2010 auf der Notfallaufnahme versorgt werden mussten, weil sie beim Telefonieren oder manchmal auch beim „simsen“ verunglückt sind. Die Zahl der verunglückten „Handy guck in die Luft“ hat sich laut Jack Nasar von der Ohio State University seit 2005 versechsfacht, Tendenz steigend. Dabei ist die Gesamtzahl der Unfallverletzungen von Fußgängern im gleichen Zeitraum stark zurückgegangen auf zuletzt 41.000. Fast jeder 25. Unfall von Fußgängern ist demnach dem Mobiltelefonieren zuzuschreiben.   

Dass Mobiltelefonieren im Auto die Aufmerksamkeit ablenkt, ist bekannt. Doch nach der von Nasara zitierten US-Statistik NEISS (National Electronic Injury Surveillance System) verunglücken mittlerweile mehr Fußgänger als Autofahrer beim Telefonieren. Am häufigsten trifft es junge männliche Jugendliche und Erwachsene.

Zwei Drittel der Unfallopfer waren unter 25 Jahre. Sie sind mit dem Handy aufgewachsen, haben aber offenbar kein Gefühl für die Gefahren entwickelt. Nasar fordert deshalb, dass sich Eltern und Verkehrserziehung der Sache annehmen. Es reiche nicht, vor dem Überqueren der Straße nach rechts und links zu schauen. Die Kinder (und Erwachsenen) müssten lernen, dass beim Gehen das Handy in die Tasche gehört. Zum Telefonieren sollte man immer eine Pause machen.