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Spieltrieb

Montag, 8. Juli 2013
Spieltrieb

Die Briten wetten gerne. Das muss eine Tatsache sein, denn allerorts sieht man Wettbüros in Fußgängerzonen, viel mehr als ich das aus Deutschland kenne. Derzeit wird gewettet, ob die Duchess of Cambridge Catherine und ihr Prinz William ein Mädchen oder einen Jungen bekommen. Aber auch bei der Arbeit wird gerne mal „gespielt“. Sobald sich der Anlass ergibt (Ostern, Weihnachten, Sommerurlaub), organisieren meine Kollegen „Raffles“.

Am ehesten entspricht das wohl einer Tombola, denn auf einem kleinen Wagen befinden sich verschiedene Preise wie der klassische „Fresskorb“ oder Plüschtiere, die man dann per Los gewinnen kann. Da das Geld meistens für einen guten Zweck verwendet wird, kaufen die meisten gleich mehrere Lose, während ein paar engagierte Kollegen mit dem Wägelchen durch die langen Gänge des Krankenhauses ziehen.

Das Ganze hebt immer die Stimmung und lockert die Arbeitsatmosphäre auf. Neulich wurde ich dann Opfer meiner besonders gut gelaunten Kollegen. Mitten im Dienst rief ein Michael an und bat mich, einen Patienten post Medikamentenüberdosis auf einer internistischen Station zu begutachten. Da die Verbindung sehr schlecht und die Stimme des Kollegen sehr hoch war, bat ich darum, die Übergabe vor Ort zu machen. Kein Problem sagte er und bat mich, auf eine Station am anderen Ende des Krankenhauses zu kommen, wo der Patient lag und ich nach „Nurse Jackson“ fragen sollte.

Ich hatte ja Zeit. Eine Viertelstunde später war Pfleger „Michael Jackson“ nirgendwo aufzufinden und mir dämmerte langsam, was da los war. Einen Scherzanruf habe ich schon lange nicht mehr bekommen und als „Prankster“ (Witzbolde) sich offenbarten, haben wir ganz schön gelacht. Wetten, dass mir da auch noch etwas einfällt?