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Amblyopie: Tetris trainiert das schwache Auge

Mittwoch, 24. April 2013
Amblyopie: Tetris trainiert das schwache Auge

Unter den Computerspielen gehört Tetris zu den Klassikern. Die Faszination der herunterfallenden Blöcke, die zu kleinen Mauern geschichtet werden müssen, ist ungebrochen. Auch Erwachsene können sich stundenlang mit Tetris beschäftigen, was Robert Hess von der McGill University in Montreal zur Entwicklung einer neuen Therapie der Amblyopie inspirierte. Zusammen mit chinesischen Forschern ließ Hess eine sogenannte dichoptische Videobrille entwickeln. Mit dem einen Auge sehen die Träger die fallenden Bauklötze, während das andere Auge nur die zu bauende Mauer erkennt.

Das Spiel erfordert deshalb die Zusammenarbeit beider Augen, was automatisch das schwächere Auge trainiert. Aufgrund des hohen „Suchtpotenzials“ waren 9 erwachsene Patienten bereit, täglich eine Stunde Tetris zu spielen. Schon nach zwei Wochen hatte sich die Sehschwäche stärker gebessert als in einer Kontrollgruppe, in der 9 Patienten die heute übliche Okklusionsbehandlung mit Abkleben des gesunden Auges durchführten. Als nächstes will Hess die Therapie bei Kindern erproben. Motivationsprobleme dürfte es nicht geben.