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Kupfer senkt Infektionsrisiko auf Intensivstation

Donnerstag, 11. April 2013
Kupfer senkt Infektionsrisiko auf Intensivstation

Die derzeitigen Infektionsschutzmaßnahmen in Krankenhäusern konzentrieren sich zu Recht auf die Händehygiene, da Hände die häufigsten Überträger von Krankheitskeimen sind. Ein Infektionsrisiko geht in Krankenhäusern jedoch auch von Gegenständen und Möbeln aus, die häufig von Händen berührt werden. Dazu gehören Infusionsständer, Bettseitenschienen, Betttische, Armlehnen von Besucherstühlen, Klingelknöpfe, aber auch Computermaus und -tastatur.

Diese Gegenstände werden zwar täglich desinfiziert. Untersuchungen zeigen jedoch, dass direkt nach der Reinigung noch hohe Bakterienkonzentrationen vorhanden sein können. In einer Studie der Medical University of South Carolina in Charleston, die an drei renommierten Kliniken in 16 Zimmern auf Intensivstationen durchgeführt wurden, lag die mikrobielle Last auf den genannten Gegenständen direkt nach der Routinereinigung noch 28-fach höher als dies Hygiene-Experten für wünschenswert halten. Bei den Bettseitenschienen lagen die Werte sogar 69-fach über dem Limit.

Ein Grund dürfte in der Nachlässigkeit des Reinigungspersonals zu suchen sein, denn nach Beginn der Studie, über die Michael Schmidt und Mitarbeiter im letzten Jahr im Journal of Clinical Microbiology (2012; 50: 2217–2223) berichteten, kam es in der Kontrollgruppe zu einer 64-prozentigen Reduktion der mikrobiellen Last, ohne dass die Reinigungsvorschriften wesentlich verändert worden waren. Kontrollen können hier offenbar Wunder wirken.

Noch deutlicher war die Reduktion in der Interventionsgruppe. Dort ging die mikrobielle Last um 83 Prozent zurück. Dabei wurden in der Interventionsgruppe die gleichen Desinfektionsmaßnahmen wie in der Kontrollgruppe durchgeführt. Die weitere Absenkung der mikrobiellen Last wurde allein durch die Ausstattung der genannten Gegenstände und Möbel mit Kupferoberflächen erreicht.

Die antiseptischen Eigenschaften von Kupfer sind lange bekannt. Schon im Altertum wurden Nahrungsmittel häufig in Gefäßen aus Kupfer oder seinen Legierungen wie Messing oder Bronze gelagert. Vielleicht nicht zufällig wurde und werden Türgriffe aus Messing hergestellt. Die antimi­krobiellen Eigenschaften von Kupfer wurden in den letzten Jahrzehnten auch wissenschaftlich untersucht. Die Legierungen sind gegen eine Vielzahl von Bakterien aktiv, und sie machen keine Unterschiede zwischen antibiotika-empfindlichen und -resistenten Keimen. Auch Methicillin-resistenter
Staphylococcus aureus (MRSA) und Vancomycin-resistente Enterococcus (VRE) werden abgetötet. Die Copper Development Association, eine Forschungsinitiative der US-Kupferhersteller, hat in den letzten Jahren zahlreiche Legierungen auf ihre antimikrobiellen Eigenschaften testen lassen.  

Diese medizinischen Kupferverbindungen wurden auch in der Studie verwendet. Neben Messing und Bronze kamen Kupfer-Nickelverbindungen zum Einsatz. Der Kupferanteil lag zwischen 60 und 99,9 Prozent. Die Legierungen dürften bei den derzeitigen Kupferpreisen nicht ganz billig sein. Doch eine neue Analyse, die dieser Tage in Infection Control and Hospital Epidemiology erscheint, belegt erstmals, dass medizinisches Kupfer langfristig die Rate von nosokomialen Infektionen senkt.

In den „Kupfer-Zimmern“ erkrankten 3,4 Prozent der Patienten gegenüber 8,1 Prozent in den konventionell ausgestatteten Räumen. Nimmt man die Patienten hinzu, die mit MRSA oder VRE besiedelt waren (ohne notwendigerweise zu erkranken) konnte die Rate von 12,3 auf 7,1 Prozent gesenkt werden. Da jede zusätzliche Klinikinfektion hohe Kosten verursacht, und die Ausstattung der „Kupferzimmer“ in der Regel eine einmalige Investition ist, dürften sich die Kosten schnell amortisieren, auch wenn die Autoren hierzu keine Zahlen vorstellen.

Klempner am Montag, 15. April 2013, 11:58
alter Hut
Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Wasser (und besonders Warmwasser-)rohre aus Kupfer wirkungsvoller die Zahl der Bakterien reduzieren als solche aus Kunststoff. Bleibt zu hoffen, dass dies in den Ausschreibungen fuer Klinikneubauten beruecksichtigt wird.