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Technologieaffinität: Wartezeit in der Notaufnahme

Mittwoch, 3. April 2013
Technologieaffinität: Wartezeit in der Notaufnahme

Wer einmal in den USA gelebt oder gearbeitet hat, der merkt meist sehr schnell, dass das US-ameri­kanische System ein sehr von Technologie durchdrungenes ist. Es ist zum Beispiel daran ersicht­lich, dass die Mobiltelefondichte zu den höchsten der Welt zählt, das Internet scheinbar ubiquitär ist, viele Dinge im Internet erhältlich und zugänglich sind, und viele weltbekannte Technologiefirmen wie Google, Twitter, Amazon, Apple oder Facebook ihren Hauptsitz in ihrer Heimat USA haben.

Es überrascht daher nicht, dass auch das US-Gesundheitssystem massiv „durchtechnologisiert“ ist: Elektronische Patientenakten sind seitens der US-Regierung bis zum Jahr 2014 gesetzlich vorgeschrieben und weitestgehend umgesetzt, Röntgenfilme sind derart unbekannt, dass sie genauso veraltet wirken wie die Verschreibung von Chloramphenicol, und es gibt in den allermeisten Krankenhäusern ein Vielfaches mehr an Rechnereinheiten als an Patienten.

Ein weiteres Beispiel ist der Zugang von Patienten zu bestimmten Informationen via Internet. Hierzu zählt selbst so eine auf den ersten Blick minder wichtige Sache wie die Wartezeit im Krankenhaus. „Wie lange muss ich warten, bis ich von einem Arzt behandelt werde?”, fragt sich so mancher Patient, ehe er losfährt zur Notaufnahme.

Die Antwort findet er auf den Weg zum Krankenhaus auf einer der vielen Riesenplakate an den Autobahnen oder Bundesstraβen, auf denen mittels einer eingebauten elektronischen Anzeige abzulesen ist, wie viele Minuten er zu warten hat, ehe er in der Notaufnahme von einem Arzt gesehen wird. Man kann sich auch eine Applikation für sein IPhone herunterladen oder im Internet eines der vielen Seiten besuchen, um die Wartezeit herauszufinden. Siehe z.B. http://www.floridahospital.com/locations/er-wait-times. Die USA ist schon ein sehr modernes Land.

Bruddler am Donnerstag, 4. April 2013, 18:58
Wieso ist das modern?
Warum ist es modern, wenn man sich unentwegt mit letztlich nutzlosen Informationen einhüllt und sich gegenseitig nicht mehr zuhört? Und hat die elektronische Patientenakte etwa dazu geführt, daß US Amerikaner gesünder sind, und weniger nutzlose Untersuchungen durch miteinander konkurrierende Ärzte gemacht werden? Vielleicht schauen Sie sich mal den Datenmüll in amerikanischen Krankenakten an, der von Texbaustein-Gereratoren erzeugt wurde und den kein Mensch mehr lesen kann. In de Psychiatrie sind diese nutzlosen "Befunde" schon zu zweifelhaftem Ruhm gelangt.
Patroklos am Mittwoch, 3. April 2013, 13:58
4658.1 miles away.
Tatsächlich:
Der eigene Standort wird automatisiert ermittelt und zeigt dann obige Entfernung an. Die "ER WAIT TIME" beträgt jetzt im Florida State Hospital 4 min. Sagt zwar nichts über die Qualität der Versorgung aus, aber man kommt sehr bald dran.
Ich bin nicht der Meinung, dass solche Nebensächlichkeiten in den Fokus gehören. Es handelt sich um einen marktgerecht aufbereiteten Parameter, der die Wettbewerbssituation einer Klinik verbessern soll.
Das wirklich Wichtige wird dabei überhaupt nicht wahrgenommen.