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Merkwürdiger Chefarzt

Freitag, 22. März 2013
Merkwürdiger Chefarzt

Ich bin nun seit einigen Tagen in meiner neuen Klinik und habe besonders in Bezug auf meinen Chefarzt einige Merkwürdigkeiten entdeckt. Zuerst einmal ist seine Redseligkeit aus dem Bewer­bungsgespräch dahin. Er ignoriert jeden, der ihm Zeit stehlen könnte. Dafür ist er scheinbar auch einer der ersten, die die Klinik nachmittags verlassen. Zudem scheinen seine Beschreibungen der Assistenzarztstelle nicht ansatzweise der Wahrheit zu entsprechen, wie mir die neuen Kollegen bereits mitteilten. Ein Rotationsplan existiert zumindest nicht.

Am meisten aber beeindruckt hat mich der Umgang des gesamten Hauspersonals mit dem Chef, bzw. vielmehr die Meinungen über denselbigen. Selten ist die Stimme in der Mannschaft besser, als in Momenten, in denen der leitende Oberarzt einen Ausbruch seines Vorgesetzten nachäfft. Kaum eine der wenigen chefärztlichen Aussagen wird ernst genommen, aber jeder scheut die Konfrontation. Vor ihm sind alle ein beinahe beängstigendes Gemisch aus Gehorsam und Ignoranz. Der Pförtner hält ihn für einen Irren, die Schwestern äußern sich ähnlich und die Assistenten wissen so manche Schauergeschichte über skrupellose Bereicherung auf Kosten von (Privat-)Patienten zu erzählen.

Fragt sich, wo er da nur gelandet ist,

Euer Anton Pulmonalis

konnrich am Sonntag, 25. August 2013, 08:15
Ausbildungsmonopolbedingt!
Tja, solange die Krankenhäuser das Ausbildungsmonopol haben, wird sich hier nicht auf Augenhöhe begegnet! Ich bin seit über 35 Jahren als Arzt tätig und blicke mit einen "geläuterten Blick zurück". Dieser sagt mir: Willst Du bei den Alpha-Tieren bestehen, musst Du selbst eines sein. Per se ist der Mediziner ja schon ab der Zulassung zum Studium ein Alpha-Tier. Da hat er sich ja schon gegen alle anderen durchgesetzt! Wer das nicht begreift, wird es nach und nach über schlechte Erfahrungen lernen müssen!
Nota bene: Wenn es dem Patienten gut geht, kann der Arzt zufrieden sein. Wenn aber die Zufriedenheit des Patienten nicht das Ziel des Arztes ist, wird er m. E. unzufrieden bleiben!
K. Raible
kueltigin am Dienstag, 23. April 2013, 21:11
daher rate ich
dir lieber Anton
Werde was anderes bevor es zu spät mach irgendwas wo du mehr verdienst bei weniger Arbeit und Stress, wo du Wochenendenund Feiertage mit Familie und Freunden verbringen kannst. Studier meinetwegen nochmal Zahnmedizin oder sowas.
Glaub mir die Rahmenbedingungen werden nicht besser werden, ganz im Gegenteil.
Hier einige Denkanstösse: Es gibt immer mehr Private Krankenhausträger, die nicht gerade für gutemArbeitsbedingungen bekannt sind
Es gibt immer weniger Kassensitze, da diese von obigen weggekauft werden.
Etc. etc. etc.
kueltigin am Dienstag, 23. April 2013, 21:11
daher rate ich
dir lieber Anton
Werde was anderes bevor es zu spät mach irgendwas wo du mehr verdienst bei weniger Arbeit und Stress, wo du Wochenendenund Feiertage mit Familie und Freunden verbringen kannst. Studier meinetwegen nochmal Zahnmedizin oder sowas.
Glaub mir die Rahmenbedingungen werden nicht besser werden, ganz im Gegenteil.
Hier einige Denkanstösse: Es gibt immer mehr Private Krankenhausträger, die nicht gerade für gutemArbeitsbedingungen bekannt sind
Es gibt immer weniger Kassensitze, da diese von obigen weggekauft werden.
Etc. etc. etc.
kueltigin am Dienstag, 23. April 2013, 21:05
Ausbildung wird leider
nicht sehr gross geschrieben.
Aus eigener Erfahrung weiss ich das Ausbildung in sehr häufigen Fällen nach Nasenfaktor stattfindet. Den Chefs scheint dieses sadistische Spiel mit der Existenz und der Gesundheit ihrer letztendlich Schutzbefohlenen Spass zu machen. Mir ist auch kein Fall bekannt wo einem erzählt wurde, warum man nicht ausgebildet wird, so dass man hätte daran arbeiten können. Daher ist meines erachtens nach, der Dreh- und Angelpunkt zu besseren Bedingungen in der Medizin eine Novellierung der Ausbildungsregelung.
Ich bin selber gerade mit Müh und Not FA für Chirurgie ( ich weiß nichts Halbes nichts Ganzes) geworden. Daher weiß ich was für ein teilweise extrem harter Werdegang das ist. Nicht nur die 24 und mehr Stunden Dienste können einen mürbe machen. Vielmehr zehrt an einem das Mobbing, Bossing und der ganze Klinikalltag. Und als Dankeschön gibts noch nicht mal ne Ausbildung. Selbst die einfachsten Sachen bekommt man nicht gezeigt oder darf sie gar machen. Trotz das man dem Team mehr Unterstützung wäre, wenn man mehr machen könnte.

Diese abartige Idiosynkrasie der Vorgesetzten kann ich nicht verstehen, wie gesagt durch Ausbildungsverweigerung machen die sich das Leben selber auch schwer. Überall werden OÄ in chirurgischen Fächern gesucht. Besser macht man als OA oder CA überstunden und ärgert sich über die "blöde" Verwaltung und kontrolliert jeden Scheiss und macht die 2456345ste Metallentfernung alleine, als sein Team anzuleiten und Schritt für Schritt zu mehr Selbständigkeit zu erziehen. So bleibt wenigstens das Ego heil, das Gefühl von Macht und Einfluss und das Gefühl davon einer Elite anzugehören.
Ich kenne einen nahezu genialen Kollegen( man würde so einen im Fussball Goldjungen nennen) aus einer Uniklinik der dort fast 4,5 Jahre keinerlei Ausbildung erhalten hat (Er ist ein Ausländer mit anderer Religion, ob das ne Rolle spielte????). Wie dem auch sei weder seine
OÄ oder der CA haben sein Potential in all den Jahren erkennen können oder wollen. Ähnliche Fälle vielleicht von nicht ganz so talentierten kenn ich zur Genüge. Ausgebildet wirst du am ehesten wenn du ein smarter ja sagender Schwiegersohntyp bist oder viel Glück mit einem OA hast der dich an die Hand nimmt. Ansonsten kannst du ein Genie sein, ich sags dir, und du hast trotzdem keine Chance. Mit Fertigkeiten und Eignung im wissenschaftlichen Sinn hat das nichts zu tun. So ist Chirurgie. Das System ist faschistisch ( nicht rasistisch oder nationalsozilistisch) und bedarf einer dringenden grundlegenden Erneuerung.
Ich für meinen Teil bereue es diesen Beruf ergriffen zu haben, wenngleich ich mir eingestehen muss, dass es ein sehr schöner Beruf sein könnte.
In diesem Sinne: ja meine Freunde das ganze Dorf kann doof jawohl das ganze Dorf.
normalerdoktor am Sonntag, 21. April 2013, 08:31
Gähn, aber andersrum
2 Jahre - 4 Kliniken. Meine Mutter sagte in solchen Fällen immer "Alle im Dirf sind doof. Außer mir."

Ist Ihnen eigentlich auch schon mal der Gedanke gekommen, dass es auch etwas mit Ihnen selbst zu tun haben könnte, wenn überall wo Sie hinkommen alles so schrecklich ist, dass Sie sofort wieder gehen müssen?
turducken am Mittwoch, 17. April 2013, 18:51
Ist normal
Glaub mir Kollege, in 17 Jahren habe ich nur einen Chefarzt als Vorgesetzten kennengelernt den man nicht als Soziopathen bezeichnen kann. Am besten einfach auf Durchzug schalten, immer nur "ja, ja" sagen, dem Chef das Gefühl geben,daß er ein toller Typ ist und soviel wie möglich mitnehmen. Etwas Lernen im OP läuft eh nur über die Oberärzte. Und abends schön einen auf den Chef heben und ihn einen "guten" Mann sein lassen. Und wenn man lästert glaubt man gar nicht wer alles beim Chef dann doch gut Freund ist und alles weitererzählt.
doc.nemo am Dienstag, 9. April 2013, 10:21
Dr. werden ist nicht schwer...
...ChA zu werden dagegen sehr. Nun ja, wenn man sich über viele Jahre hin nach oben geradelt hat, will man halt die Früchte seines Aufstiegs genießen. Und wer sich als Radfahrer im Sattel halten will, muss eben permanent weiter treten. Es sind dieselben Zustände wie vor 25 Jahren während meiner eigenen Krankenhauszeit. Es hat sich nichts geändert. Die jungen Kollegen tun mir wirklich leid.
Thelber am Samstag, 6. April 2013, 22:52
Naja, wenn er so unmöglich ist, dann ist es doch ...
... nur gut, wenn er möglichst früh am Tag die Klinik verlässt. Anscheindend weiß er seine Kompetenz einzuschätzen ...
ares am Freitag, 29. März 2013, 14:58
Ad infinitum
Es wird sich wiederholen und wiederholen und wiederholen und
Andreas Skrziepietz am Samstag, 23. März 2013, 17:37
Gähn
Immer dieselben Geschichten. Es kann ja auch nicht anders sein, denn wer es in Deutschland zum Chefarzt gebracht hat, muß einen psychischen Schaden davongetragen haben. Mein Rat: Unverzüglich kündigen!
"Scheinbar" ist übrigens nicht dasselbe wie "anscheinend".