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Katastrophaler Kollege

Donnerstag, 20. Dezember 2012
Katastrophaler Kollege

Die CTAs sind weg, der neue Kollege ist da. Er ist höflich, spricht passables Deutsch und wird von den Patienten für einen Arzt gehalten. Doch ist er vor allem eins: laut. Ich kann es nicht anders beschreiben. Er spricht einfach sehr laut.

Jeder hat seine eigene Art, mit Unsicherheit umzugehen. Ich lockere beispielsweise gerne die Situation durch eine scherzhafte Bemerkung auf. Das gefällt sicherlich nicht jedem. Unser neuer Kollege überspielt seine Unsicherheit auf eine sehr unangenehme Weise: er versucht es mit gespielter Sicherheit. Selbst, wenn er eine Frage hat, und angesichts einer Aufgabe (wie bereits erwähnt) laut dekompensiert, scheint er die Antwort bereits zu wissen und unterbricht mit einem „ich weiß“ (Fans der Serie „Little Britain“ werden wissen, wie wenig kompetent das wirken kann). Dass er nicht weiß, merkt man daran, dass kurz auf einen Anruf ein zweiter folgt, und dass „ich weiß“ zwei Sätze später kommt. Insgesamt habe ich große Teile meiner Motivation zur Einarbeitung verloren.

Natürlich hat jede Unart auch ihre guten Seiten. So versucht der neue Kollege, bei jeder Gelegenheit Fehler in meiner Arbeit aufzuzeigen. In den Fällen, in denen dies berechtigt war, habe ich mich bedankt. In den anderen habe ich in mich reingegrummelt. Insgesamt sehe ich den neuen Kollegen skeptisch. So sehr ich mich auch darüber freue, dass unser ständig schlecht gelaunter, wenig fleißig, aber sehr kontrollsüchtiger Altassistent sich nun nicht mehr an mir aufreibt anstatt seine Arbeit zu tun, so bang sehe ich dem ersten Dienst unseres neuen Kollegen entgegen. Der wird nämlich schon im ersten Monat (!) seines blutjungen Berufslebens stattfinden.

Kann seinem eigenen Berufseinstieg im Nachhinein mehr positives abgewinnen,

Euer Anton Pulmonalis

Andreas Skrziepietz am Samstag, 22. Dezember 2012, 18:25
In ein paar Wochen
het der Neuen Anton verdrängt, wetten?