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Hirnzellen aus dem Harn

Montag, 10. Dezember 2012
Hirnzellen aus dem Harn

Lange Zeit mussten Mediziner das Knochenmark punktieren, um an (hämatopoetische) Stammzellen zu gelangen. Seit kurzem ist dies durch eine Hautbiopsie möglich. Die dort enthaltenen Fibroblasten können durch wenige Gene in induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) reprogrammiert werden. In Zukunft könnte noch nicht einmal eine Blutprobe erforderlich sein. Wenn ein Bericht chinesischer Forscher zutrifft (ein gewisses Misstrauen erscheint bei der Stammzellforschung mittlerweile angebracht), dann lassen sich Stammzellen auch aus einer Urinprobe gewinnen.

Der Harn auch gesunder Menschen enthält einige abgeschilferte Nierenepithelien, die das Team um den Biologen Duanqing Pei vom Guangzhou Institutes of Biomedicine and Health erfolgreich in iPS umprogrammiert hat. Die Forscher benötigten für die Bildung der iPS nur 12 Tage, halb so lange wie bei der Verwendung von Hautproben. Die Forscher haben die Zellen danach in Nervenzellen differenziert und in das Gehirn von Ratten transplantiert.

Hier war zwar das Ende der derzeitigen Forschungen erreicht. Ob die Neuronen und Gliazellen einen therapeutischen Nutzen haben, ist vorerst unklar. Die Generierung von Stammzellen aus dem Harn könnte aber die Arbeit der Stammzellforscher erleichtern, sagte James Ellis vom Hospital for Sick Children in Toronto gegenüber Nature, das in einem seiner Journals die Arbeit der chinesischen Forscher veröffentlichte. Wer hätte gedacht, wofür die Abfälle des menschlichen Körpers alles gut sind.