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Lob und Tadel

Dienstag, 11. Dezember 2012
Lob und Tadel

Wenn meine Vorgesetzten mir Feedback geben, ist das manchmal ein bisschen wie Rätsel raten. Genau genommen finden bei uns die „Pendleton“-Regeln Anwendung, nach denen man sich zu allererst selbst bewertet. Was war gut? Was war schlecht? Was könnte ich besser machen? Aber nach der Formulierung meiner eigenen Eindrücke kommt die Gegenseite zu Wort.

Und da gibt es ja bekanntermaßen die feine englische Art, die nicht immer so leicht zu verstehen ist. Hier muss man genau hinhören, denn selbst die höflichst formulierte Kritik ist sehr wohl so gemeint. Ein Bekannter von mir hat die Feedback-Technik der Briten als – entschuldigen Sie meine Sprache – „Scheiße Sandwich“ umschrieben. Und das trifft es eigentlich ganz gut. Erst kommt ein überschwängliches Lob. Dann kommt die Kritik, zwar höflich formuliert, aber ernst gemeint.

Und zum Schluss, um das Ganze nicht allzu unangenehm ausklingen zu lassen, noch ein kleines Lob. Nach dem einen oder anderen Erlebnis der Vergangenheit mit jähzornigen Gestalten am oberen Ende der Hierarchie ist das eigentlich ganz angenehm. Manchmal aber auch zu viel des Guten und der Höflichkeit. Neulich bin ich einem Kollegen in der Eile, mir Ordner zu schnappen, auf den Fuß getreten. Da entschuldigt er sich überschwänglich bei mir: Dafür dass seine Füße so groß sind.